AUF DEN SPUREN DER PFERDE

Ein Reisebild meiner frühen Jugend mit einem Baum, einer alten Kiefer, begleitet mich seit einigen Wochen tagaus tagein. Die Kiefer am Rande einer steil abfallenden Küste, ein weitläufiger Strand, den man kaum wahrnimmt, nur im Kreis um das Lagerfeuer sieht man den Sand, in das Meer hineinfließend, das man in der nächtlichen Dunkelheit rauschend erahnt, mehr als sehend. Dahinter, an der Felsküste ein Felsüberhang, der eine höhlenartige Nische bildet. In diesem erlebten Bild höre ich vertraute Geräusche meines damaligen Gefährten, wie er sich eine Zigarette anzündet und im Feuer mit einem langen Ast herumstochert, ich, oben am Rand der Ebene hinuntersehend, an der Kiefer sitzend und mich am Baumstamm anlehnend. Langsam blicke ich gegen den Himmel und erblicke eine unendliche Anzahl an Sternen da oben. Und damals überkam mich ein tiefer Frieden, dieses Gefühl ist bis heute anhaltend, wenn ich an dieses Bild denke, dieser Frieden, der die Unendlichkeit berührt. Ich dachte damals: ja, das ist es, so kann es immer sein, immer, so einfach kann es sein. Während ich nun, fast vierzig Jahre später, zurück zum Haus gehe, durchs nasse Gras, überlegend, ob ich heute die Ponies in den Innengarten vor dem Haus grasen lasse oder sie doch auf die nördliche Grasweide gebe, wird mir klar, dass ich einen Abschied und einen Neuanfang in meinem Herzen trage. Mir wird klar, dass, wenn ich mich mit meiner ganzen Liebe und Aufmerksamkeit meinen Tieren zukünftig widmen will, mit dem Geist, den ana tara verkörpert, dann wird nur mehr Wesentliches Platz haben, wenn ich es in meinem Tempo und in meiner tiefen Wachheit umsetzen will. Es ist Zeit, Altes restlos hinter mir zu lassen, und den Weg weiter gehend in der Freiheit des neuen tieferen Sinns, mit meinen Tieren unterm Sternenhimmel atmend. Am Lagerfeuer etwa, in der Nähe eines Wassers, das Schnauben eines Pferdes vielleicht hinter mir hörend, um gemeinsam die Stille des Seins zu genießen, am Feuer, und im Rauschen des Meeres die unendliche Wiederkehr des Lebensatems zu spüren, der mein Herz friedlich werden lässt, wie damals auf der Reise. Vielleicht weichen Alltagsworte voller Rastlosigkeit noch viel mehr und immer mehr in den Hintergrund, wenn ich den Geruch der Pferde in mir aufnehme, das Fell meiner Kleinen berühre und mit ihnen dem Regen lausche. Vielleicht, den Spuren der Pferde folgend, kleinen und großen Pferden, wilden und kumpelhaften. Vielleicht ist das Sinn genug, in diese Sinnlichkeit des Seins einzutauchen und im Hier und Jetzt den Anker der Unendlichkeit zu werfen, mit schaurig schöner Erwartung, was da kommen mag, ob meiner Entscheidung, den Weg der neuen Fülle zu betreten, mit einem Fußtritt, einem festen, auf diesem Weg. Und vielleicht mit einem Huftritt neben mir, den Spuren der Pferde folgend. Vielleicht.

Text A.B., © Astrid Bayer, all rights reserved