INDIMOON

Indimoon ist für mich persönlich ebenfalls eine wahre Augenweide. Sie folgte drei Jahre später auf ana tara nach. Diese Stute, Shetland Pony, cream dun, mit einem Stm. von 81 cm, reinrassig und englisch gezogen, lernte ich auf dem gleichen Zuchtgestüt kennen, wie Chilli und Glory, sie ebenfalls dort geboren und aufgewachsen. Ich betreute das Gestüt für ein Jahr energetisch, und dort hatte Indimoon eine besondere Rolle. Sie brachte mir immer wieder die Ponies, die meiner Behandlung bedurften und hatte die Aufgabe als Botin zwischen mir und den Ponies zu vermitteln. In wissenschaftlichen Berichten las ich, dass das durchaus bekannt ist, und wenn BesitzerInnen ihre Pferde gut kennen, dann lesen sie die Signale von Pferden, die ihnen mitteilen, welches Pferd erkrankt ist. In dieser Herde hatte sie also diese Aufgabe, und so kam ich mit ihr in Kontakt. In der Absicht, noch eine Stute zu mir zu holen und die behandelte Stute anzusehen, kam ich auf das Gestüt, wurde dort von allen Stuten gleich umringt, und ganz zum Schluss bevor ich aufbrach, kam Indimoon ganz langsam und stetig den Hügel hinauf, blieb in meiner Nähe stehen und sah mich an. Ich hockelte mich vor sie hin, bedankte mich bei ihr für ihre Arbeit als Botin, streichelte sie zart an der Nase, und als ich aufstand, hatte ich Tränen in den Augen. Ich schrieb später, zuhause wieder angekommen, ein leidenschaftliches email an die Züchterin, mit der Bitte, falls sie irgendwann die Absicht hat, diese Stute herzugeben, mich als Erste darüber zu informieren. Für mich überprüfte ich auch, ob diese Stute sich als Dritte im Bunde harmonisch einfügen würde, da alle Ponies hier ihren Lebensplatz haben, und da genügt es nicht, dass sie sich dulden, sondern, sie sollten sich miteinander wirklich gut verstehen. Schneller als erwartet kam eine Anfrage von dem Gestüt, ob ich sie gerne nehmen möchte und telefonisch teilte mir die Züchterin von Indimoon mit, dass ihr seit geraumer Zeit Indimoon dauernd im Kopf herumspukt, und sie es schon als lästig empfindet. Wir lachten beide, weil wir wussten, dass die Zeit gekommen war, Indimoon nun nach ana tara zu holen. Tag – und Nachtträume begleiteten mich, in denen immer wieder die Herzens – und Seelenfreundschaft zwischen uns beiden bildlich dargestellt wurde. Als sie in der Nacht um halb drei bei Sturm und Regen mit dem Transporter ankam, holte ich ein nasses felliges, völlig eingeschüchtertes, langmähniges Etwas aus dem Transporter heraus, führte es auf die Weiden. Wir hatten extra einen Fluter montiert, damit ich das Areal übersehen konnte. Bei anhaltendem Regen und Sturm begrüßte ich Indimoon, redete ein bisschen mit ihr, nahm ihr Halfter ab und tapste langsam zur Koppel, wo ich Chilli und Glory raus ließ. Beide kannte sie ja schon vom Gestüt und Chilli stürmte gleich auf sie zu und mit einem Quietscher, zwei heftigen Körperwendungen, einem gemeinsamen Herumgaloppieren zu Dritt, war die Zusammenführung erledigt, sie begannen zu grasen. Stunden später kraulten sich alle Drei immer wieder gegenseitig querfeldein, und ich konnte aufatmen und mir nach dieser schlaflosen Nacht in Ruhe meinen Morgenkaffee gönnen. Indimoon galt als ruhige und zurückhaltende Stute und in den ersten Tagen und Wochen stellte sie sich geduldig neben Chilli an, wenn es ums Heufressen ging. Chilli führte sie überall herum und wies sie in unsere Alltags-Gepflogenheiten sanft und liebevoll ein. Während dieser Zeit blieb sie im Hintergrund und nach und nach begann sich ihre Körperlichkeit und ihre Bewegungsqualität mit zunehmender Sicherheit zu verändern. Ich hatte den Eindruck, als würde ihre neue Selbstsicherheit sich auch in ihrem Körperausdruck zeigen. Ihre Bewegungen wurden groß und weitläufig, ja fast grob, mit viel Kraft und ausdrucksstark. In diesem Freiheitsgefühl zeigte sie dann auch Chilli, wo sein Platz ist und wurde nicht müde, ihn immer wieder dorthin zu verweisen. Ich wiederum war sehr vernarrt in dieses Pony – Mädel, achtjährig kam sie zu uns, und wenn die Sonne auf ihre Fellschattierungen schien, leuchteten diese kupferfarben, welch eine Farbenpracht! Sie erkundete alles ganz genau, ging mir Anfangs ständig nach und schaute sich alle Gegenstände an, die ich in die Koppel brachte und biss zum Test einmal kurz rein. Auf diese Weise untersuchte sie meine Hände, meine Kleidung, Schuhe, alles. Sie hat sich nun eingewöhnt und ihre „orale (Fohlen-)Phase“ ist mehr oder weniger vorbei und jetzt hat jeder in dieser Kleinherde seine Position, in der er sich entfalten kann und weiter wachsen kann. Und wenn ich in Indimoons Augen blicke, dann weiß ich, dass dieses schöne Geschöpf mein Herz erobert hat und eine weitere Perle das Gestüt ana tara ziert. Dank gilt Petra Jäger, Gestüt El Saraja, mir Indimoon el Saraja anzuvertrauen.

Text A.B., © Astrid Bayer, all rights reserved