ELYSEE GLORY

Ihrem Namen macht sie alle Ehre. Mit ihrer würdevollen Ausstrahlung und ruhigen introvertierten Gesinnung präsentiert sie sich gerne und blickt erhaben das Gegenüber an. Ich fühlte mich von Anfang an von ihr angezogen, und ich spürte beim ersten Besuch auf dem Zuchtgestüt, wo sie geboren und aufgezogen wurde, dass es da eine Verbindung zwischen uns gab, die nicht mit Worten zu erklären war. Als unzugängliche, wilde, extrem nach innen gerichtete, nicht sozialisierte Ponystute mit verengten Augen und zornigem Blick, kam sie zusammen mit Chilli zu uns. Ich gab ihr Eingewöhnungszeit, verbrachte hie und da Zeit bei ihr, indem ich mich in Abstand neben sie stellte, der Regen tropfte mir vom Hut auf die Schuhe und wir dösten beide, die Stille der Natur genießend und dem Regen lauschend. Ein anderes Mal setzte ich mich nahe zu ihr und begann leise mit ihr zu reden, über sie, über mich und wo wir gemeinsam hinkommen könnten, ich redete mit ihr, was mir gerade einfiel und dann ging ich wieder. Sie war die tägliche Nähe von Menschen nicht gewohnt. Auch die Gerüche nicht, die ich mitbrachte, z.B. der Fleischgeruch nach dem Essen, der aus meinem Mund kam (iiiiiihhhhhh, sie stinkt wie ein Raubtier!), jegliche Geräusche in der Umgebung brachte sie auf und Alltagsgegenstände, die sie nicht kannte, also so gut wie alle, brachten sie zur Fluchtbereitschaft. Aber es siegte immer die Neugierde, und Chilli, ihr Pony-Kumpel, der ihr immer wieder Sicherheit gab und ihr zeigte: „Du Glory, das ist alles nicht so schlimm“, half ihr, sich schnell einzugewöhnen. Davor schickte sie Chilli immer wieder voraus, in einer ihr ungewissen Situation abwartend, wie er damit umgehen würde und lernte von ihm. Ich gab Glory alle Zeit der Welt. Da ich von Anfang an diesen persönlichen seelischen Zugang zu ihr hatte, ließ sie mich schnell ohne mein Zutun in ihre Nähe. Mittlerweile liebt sie es, geputzt zu werden, zur Freude des Hufschmies, weil sie sich auch da sehr kooperativ zeigt, liebt es an ihren Lieblingsstellen gekrault zu werden, und wenn ich das Putzzeug herrichte, ist sie die Erste , die kommt und sich zu mir stellt, bereit für eine Streichel -und Bürst-Session. Sie und ich, wir sind ein gutes, miteinander vertrautes, Team geworden. Sie ist Leitstute neben Chilli und Indimoon, die später zu uns kam, nimmt ihre Aufgabe würdevoll wahr und Glory entfaltete nach und nach charakterlich viele ihrer schönen Facetten, immer wieder mich früher noch manches Mal überprüfend und antestend, ob ich noch würdig bin, ihr Frauchen zu sein. Ihre neueste Aufgabe, die sie sich selbst auferlegt hat, ist, vor der Haustür zu stehen und auf das Haus aufzupassen, wenn ich bei ihnen in der Winterkoppel die Alltagsarbeiten erledige. Komme ich dann wieder zurück und gehe ich zur Tür, tritt sie zurück, ich bedanke mich, dass sie aufgepasst hat, sie nickt mir zu und dann geht sie wieder. Ihr Wesen ist sehr fein und zurückhaltend, auch ist sie sicherlich die Sensibelste der Kleinstherde, jedoch ist sie auch gerne immer wieder bereit, sich auf ein Spiel – Abenteuer mit mir einzulassen. Ich bin immer wieder überrascht über ihre sprunghaften Entwicklungs-Schritte und ihre Bereitschaft sich mehr und mehr zu öffnen. Aber ihre geheimnisvolle Ausstrahlung blieb ihr erhalten. Und dank einer einfühlsamen Tierärztin, hat sie hier auch frei und ohne Sedierung gerne die erste Zahnbehandlung über sich ergehen lassen.

Text A.B., © Astrid Bayer, all rights reserved