CHILLI HOT PEPPER

Was soll ich sagen! Dieser kleine Bub, strawberry roan, mit seinem Stm. von 73 cm, Shetland Pony, reinrassig und englisch gezogen, ist ein so liebevolles, großherziges, hilfsbereites Pony, dass man immer wieder aus dem Staunen nicht herauskommt. Noch dazu im Winter extrem plüschig , mit seiner dichten Mähne von seiner Mutter, mit den großen Kulleraugen, steht er da im Schnee mit breiter Brust und will sichtlich beeindrucken. Aber seine ganze Ausstrahlung ist so liebenswert, dass es ihm nie gelingt, seine ganze Stattlichkeit mit seinen jetzigen zehn Jahren optisch unter Beweis zu stellen, und man ihn am Liebsten dauernd nur knuddeln möchte. Seine ursprünglich feurigrote Wuschelmähne, die er hatte als er mit sechs Jahren zu uns kam, wich mittlerweile einer Mähne mit hellem Braunblondton, die im Sommer sogar in einem Weißblond schillern kann. Zusammen mit Glory kam er auf unser Gestüt ana tara, und damals, als ich auf einjähriger Suche nach den passenden Ponies für mich war, fand ich die Fotos von ihm überaus interessant. Seine Körperhaltung, wach und temperamentvoll, unterstützte noch die Wirkung seines besonderen Fellkleides, das im Sommer altrosa bis helllgrau schimmert, nachdem zuvor im Frühling Körper, bis auf Kopf schneeweiß wird, um dann im Winter als fuchsiger Schecke sein Winterkleid zu entfalten. Ich träumte von ihm, wie er immer wieder ganz frech einforderte, zu uns zu dürfen, und ich schickte ihn in meinen Träumen immer wieder weg, und er fand immer wieder ein „Hintertürl“, um wieder dann vor mir zu stehen. Und als er in einem Traum des Nächtens mir Folgendes mitteilte: weißt du, ich bin zwar klein, aber ich kann auch Packtaschen tragen!, und dabei drehte er sich auf die Seite und zeigte mir seine links und rechts von seinem Rücken angelegten kleinen roten Packtaschen, da lachte ich herzlich - es war entschieden. Nach diesem Traum wurde der Besichtigungstermin vereinbart und auch hier überzeugte mich die Begegnung mit ihm auf dem Zuchtgestüt in den ersten Minuten. Auch er war dort geboren und aufgewachsen, stand im Sommer bei den Stuten auf den weitläufigen Weiden, und während die Züchterin und mein Mann die Stuten ablenkten, ging ich auf ihn zu. Er kam mir entgegen, ich hockelte mich vor ihn hin, hatte einen Hut auf, und das erste was er tat, war, keck den Hut ein kleines Stück nach oben zu stupsen, als wolle er sagen: na, bist du endlich da, was machen wir jetzt Spaßiges miteinander? Da war mir klar, dass wir eine wunderbare Freundschaft haben würden. Als er später nachts bei uns ankam, verabschiedete er noch das große weiße Pferd im Transporter mit einem langen ausgiebigen Wiehern, drehte um, kam, sah und war zuhause. Schnell überblickte er das ganze Gestüt, während Glory, seine Ponygefährtin sich noch fragte, wo sie eigentlich hier nun sei, preschte Chilli überall neugierig hin, um alles zu erkunden, Glory folgte ihm , sichtlich überfordert, ihm dauernd nacheilen zu müssen, und dann grasten sie ausführlich. In den weiteren Monaten beschützte er Glory in unbekannten Situationen und gemeinsam lebten sie sich im ersten Winter nach und nach ein. Chilli galt im Zuchtgestüt als deckfaul, aber hier alleine mit Glory, übte er seine Decksprünge fleißig, und man sah ihm die Unbeholfenheit bei den ersten Versuchen an. In der Rosse und bei Vollmond lagen sie des Nächtens zusammen vor den Heuraufen ruhig nebeneinander im glitzernden Schnee, untertags liefen sie im Kreis und machten mit allen vier Beinen gleichzeitig ständig freudige Luftsprünge und tollten auf dem Gestüt herum. Im ersten Winter wurden sie in ihrer Robustheit auf die Probe gestellt, denn wir hatten immer wieder mehrere Wochen lang durchgehend minus siebzehn Grad, eine Ausnahmesituation hier. Chilli und ich kamen sehr schnell in einen Dialog miteinander, er ist unternehmungslustig und nach und nach offenbarte er auch seine extreme Intelligenz. Beim Hufschmied teilte er selbstständig, ohne unser Zutun, die Prozedur in vier Arbeitsschritte ein: 1. Jetzt kommt der andere Huf dran, 2. Also muss ich mich umdrehen, 3. Jetzt heb ich den Huf, 4. Ich lege den Huf in des Hufschmieds Hände. Wir staunten nicht schlecht, als er das ohne jegliche Übung und Anweisung unsererseits vollbrachte. Chilli ist auch so offen und dialogbereit, dass er mir gegenüber sich im Spielen miteinander aus freiem Willen ebenfalls einbringt und mit Körpersignalen seinerseits interagiert und Impulse zum Weiterspielen setzt, um dann meine Reaktion abzuwarten, was ich dann unternehmen würde. Als verantwortungsbewusstes Pony liebt er es, seine mittlerweile zwei Stuten zu beschützen und zu bewachen, auch wenn er im ersten Jahr von uns gelegt wurde. Da er als Zuchthengst in jungen Jahren eingesetzt wurde, biete ich ihm nach wie vor die Möglichkeit, in seiner gewohnten sozialen Struktur mit mehreren Stuten zusammenzuleben. Seelisch gesehen, wollte er kein, in der Welt ständig reisender und herumgereichter „Berufszucht-Hengst“ sein, obwohl er, züchterisch gesehen, einen sehr bedeutungsvollen Stammbaum hat, folgten wir seiner Seele und meinem Wunsch, kein Zuchtgestüt aufzubauen. Aber er hat einen stark entwickelten Schutzinstinkt. Seine Herde könnte gar nicht groß genug sein, er würde alles und jeden adoptieren, beschützen und aufpassen. Wenn die Zeit gekommen ist, wird er vielleicht noch ein Pony hier auf dem Gestüt begrüßen dürfen und wie bei Indimoon auch, wird er wahrscheinlich wieder sanft und liebevoll dem Neuankömmling alles zeigen und die Gepflogenheiten hier bei uns lehren und weitergeben, der liebe Herr Professor, der! Danke dem Gestüt El Saraja für Chilli Hot Pepper el Saraja und für das Vertrauen.

Text A.B., © Astrid Bayer, all rights reserved