AUS DEM TRAUM ERWACHT

2021-02-28 18:39:05

Da steht sie nun auf der Weide. Den Kopf leicht gesenkt, steht sie da, teilnahmslos vor sich hindösend. Übern Winter hat sie massiv an Gewicht verloren, sie steht da und nichts hilft. Ja, auch der Tierarzt war da. Sie wird sterben, meint er. Er kann nichts mehr für sie tun, meint er. Sie steht da auf der Weide, ihr helles Fell ganz matt, teilnahmslos, und die anderen Ponies weit weg auf der Weide, grasend. Dieses Stütlein da, dieses stille, mit seiner Seele weit weg. Dorthin gereist, wo die Weite der Hügel unendlich erscheint. Dort, wo die Priese des Meeres sanft immer wieder herüberweht. Sie träumt. Auch wenn sie nicht träumen will, ihre Seele träumt. Sterben? Auch wenn sie nicht sterben will, sie kann sich nicht wehren, ihre Seele ist weit weg und träumt. Von der Mutterstute dort, die dort auch träumt , von einer besseren Wiese dort, von einer anderen Wiese dort, von einer Wiese ohne Vergangenheit. Vergangenheit des vergossenen Blutes, Blutboden, Kriegsboden, Jahrhunderte lang. Und das Gestüt, aufgebaut auf Blutboden, Kriegsboden, mit so viel Vergangenheit, so viel Trauer, so viel Schmerz, so viel Tod auf diesem Boden. Und das Gras, das dort wächst, ist voller Erinnerung daran. Die Mutterstute, die dort grast, wird diese Erinnerung und sie wird krank. Sie ruft ihre Tochter, die nun auf dem Festland ist, sie ruft sie und ihre Tochter, sie hört sie, sie reiste mit ihrer Seele zu ihrer Mutter, zu den ihr vertrauten Blutböden, zu ihr und jetzt findet sie nicht mehr zurück.
Und da steht ihr mutloser, teilnahmsloser Körper, nun hier auf der Weide auf dem Festland, und döst mit ihrem hohlen Körper in ihrem Traum. Teilnahmslos am hiesigen Leben. Tag aus Tag ein. Kann das sein? Ein Geräusch. Was für ein Geruch. Die Ohren bewegen sich kaum, aber sie hört. Da ist Jemand, eine weibliche Stimme, sie spricht sie an, das Stütlein kann nicht reagieren, sie ist gefangen in ihrem Traum. Diese Stimme kommt immer näher und da ist eine warme Hand auf ihrem Fell, seitlich da, sie spürt die Hand kaum, kaum erwachend aus ihrem Traum. Und dann entfernt sich diese Stimme wieder. Und sie träumt weiter, aber dort in den Weiten beim Meer, sie sieht dort auf der Wiese beim Meer plötzlich Schatten, bunte, helle , färbige Schatten, sie wirbeln herum, sie tanzen, rauf und runter und überall hin, überall auf die Wiesen, zum Gestüt, zu ihrer Mutter, sie fegen über die Weiden dort am Meer und Helligkeit breitet sich überall aus, ihre Mutter wiehert freudig , der Blutboden wird nach und nach zu nährendem Grasboden, kann es ein, wird alles wieder gut? Und die Nüstern des Stütleins beben, ihre Seele kehrt zurück und darf hier bleiben bei ihr, in ihr, wo das Leben langsam wieder erwacht. Das Gefühl, selbst in einem Blutboden zu stehen, verschwindet. Hie und da, da zuckt das Stütlein, ihre Sinne erwachen, ihr Traum flieht, und sie. da auf der Weide nimmt das Gras wahr, die anderen Ponies. Willkommen, wieder da, im Hier und Jetzt , da wo es gut ist, hier und da. Und Boden dort, in der Weite der Gräser mit Briese des Meeres, mit gereinigter Erde für die Pf * erde.

FOLGEN

2021-02-28 09:37:57

Den Kopf zum Herzen beugen und die innere Haltung wird folgen.Den Weg nach dem Kompass des Mitgefühls ausrichten und das Handeln wird der inneren Haltung folgen. Und dann folgen die tierischen Gefährten nach. Miteinander, das Leben erfolgreich, in Harmonie, Gesetzen der Seeligkeit folgend.

kult.ur.tier.mensch

2021-02-26 09:27:19

KINDERSPIELZEUG

Das Fernsehen ist da, für einen kurzen Beitrag, super ist das, die Familie ist ganz aufgeregt, verstehst du - das Fernsehen!!!! Da kann er zeigen, was er kann, da kann er zeigen was er alles drauf hat, der Kleine, mit seinem Freund , dem Pony. Die Kameras sind positioniert, er hat sich in cowboy - Schale geworfen, jetzt kann er zeigen, der Kleine, der Achtjährige, wie er reiten kann, jetzt zeigt er es ihnen, jawoll! Schnell angeritten mit dem Pony, den Arsch immer wieder fest in den Sattel reintrimmern, in den Rücken des Ponies reintrimmern, die Fersen seitlich immer wieder verwegen und mutig und draufgängerisch in die Rippen hinein, ganz fest und schnell hinein in die Rippen des Ponies, ein hektisches Traben in die Kamera hinein, seht nur, wie ich reiten kann und dann noch mehr Schnelligkeit muss her, noch mehr Verwegenheit muss her und die Zügel als Schlaufe geformt, noch links und rechts an den Hals des Ponies geschlagen, ja das ist Kühnheit, das ist Können, ich zeig es ihnen, wie verwegen ich bin, ich zeige es ihnen, während das Pony mit ganz starren Augen und starrem Hals in Richtung Kamera trippelt, die draufgängerische um sich schlagende Bubenlast auf dem Rücken. Das Pony, es versucht sein Bestes zu geben, für seinen Freund das Beste zu geben, auch wenn es nicht genau weiß, warum jetzt da diese Aufgeregtheit, warum jetzt da die Leute alle stehen, die Eltern so grinsen, und so stolz sind auf ihren Buben, was für ein mutiger kleiner Kerl er ist, und erst recht , wie er dann noch auf die Kamera zufährt, mit dem Rad und am Seil sein Pony hinterher zieht, so stolz, was er alles mit seinem Pony machen kann, sein Pony am Halfter mit strengem Zug am Seil, dass es dem Pony den Kopf immer wieder aus den Nacken zieht, die Halfterklammer um seine empfindliche Nase schrammend, und so seinem Freund , dem kleinen Buben folgend, dem Jungen da vorne am Rad, für ihn sein Bestes gebend, auch wenn´s weh tut, immer noch weh tut vom letzten Mal und vom Vorletzten und an das vorvorletzte Mal kann es sich nicht mehr erinnern, beschäftigt mit dem momentanen Weh, für die Kameras, für´ s Fernsehen, für die Eltern und dann für die Zuschauer vor dem Fernseher, die sehen, wie mutig und verwegen der kleine Bub schon reiten kann, wie in den alten cowboy – Filmen von damals, von früher.

Kinderspielzeug
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part five

kult.ur.tier.mensch

2021-02-26 09:17:27

DAS SICH FREIHEIT NENNEN DARF

4

Im Bewusstsein der Freiheit spielt Zeit keine Rolle, aber sehr wohl im täglichen Umgang mit lebenskulturell eingebundenen Tieren, welchen Zeitrahmen man ihnen zugesteht, um ihre Persönlichkeit und ihre Entwicklung lernend vollziehen zu können, wenn man ihnen abseits des funktionalen Gebrauchens ihrer, Förderung und Entfaltung zugesteht. In der Produktivität industrialisierter Gesellschaften ist wenig Aufmerksamkeit dafür, noch weniger Raum und noch viel weniger Zeit. Und diese Umstände sind der Motor und prägt soziale Systeme, beeinflusst soziales (Nicht,-) Handeln. Viel mehr Raum und viel mehr Zeit für die spürbare Lebendigkeit des Lebens in Umgang mit unserem tierischen Gegenüber ist eine Notwendigkeit, auch für uns von hoher Notwendigkeit; und abseits von Zwang in jeder Handlung, in jeder Tat, die wir setzen, Freiheit mitschwingen lassend, sodass von beiden Seiten Wollen entsteht, jenseits von Müssen. Dieses beiderseitige Wollen ist die Übereinkunft zweier Wesen, am Rande der Klippe der Freiheit stehend , eine Verbindung schaffend , aber nicht müssend. Um sich dann gemeinsam ins Bodenlose zu stürzen, das sich lebendiges Erleben und Erfahrung nennen darf - oder Fliegen. In ungeahnte Höhen, der Freiheit entgegen. Dem Frieden ein Stück näher.

3

In der Qualität von Freiheit spielen Raum und Zeit keine Rolle. Würden wir der Freiheit einen Ton, eine Frequenz, eine Farbe, eine Stimmung , ein Gefühl, eine Empfindung, einen Körper, eine Geste, eine Handlung, eine Tat, einen Gedanken geben, was wäre dann möglich, jenseits all unserer Vorstellungen und Einstellungen, an denen wir Tag für Tag festhalten? Was wäre dann in der Interaktion mit unserem tierischen Gegenüber möglich, jenseits unserer Absichten, Pläne und eingefahrenen Methoden und Systemen? Im Bewusstsein der Freiheit spielt Raum keine Rolle, aber sehr wohl spielt Raum für tierische Wesen wie Pferde, mit ihren vielen Sinnen, und in unsere Kultur eingebunden, eine Rolle, z.B. wie dieser Raum als Lebens – und Alltagsraum gestaltet wird. Die Gestaltung hat bis heute architektonisch und in Ausstattung und Equipement, weiters im geistigen Raum der Disziplinen und Umgang, besonders mit Pferden, seinen Ursprung im Militär -und Kriegswesen, ebenfalls wie die Entwicklung und Einrichtung namens „Zirkus“. Durch kriegerische Handlungen, das Leben und die Freiheit seines Gegenübers, seines Feindes letztendlich zu nehmen, prägte im Überleben von Verteidigung und Expandierung von Raum die Gesellschaftskultur, beeinflusst bis in die Alltagskultur hinein. Einer unserer Wurzeln in Alltagskultur in Umgang mit Tieren liegt in kriegerischer Handlung der Unterwerfung und nicht im Quell von Frieden und Freiheit.

das sich Freiheit nennen darf
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part four

kult.ur.tier.mensch

2021-02-25 07:02:49

DAS SICH FREIHEIT NENNEN DARF

2

Die Anfänge der Industrialisierung, eine Handlung in einzelne Arbeitsschritte zu zerlegen, um sie dann zu systematisieren, schaffte die Basis für Produktivität und Automatisierung. Automatisierung kann letztendlich die Konsequenz aus Systematisierung mit verlorenem Inhalt bedeuten. Die Notwendigkeit, ein System bzw. eine Methode in Umgang mit Tieren lebendig zu halten bzw. wieder lebendig werden zu lassen, erkennt man z.B. daran, in dem nicht das Tier, sondern der Mensch dabei beobachtet wird , wie er das System anwendet , mit dem Tier umzugehen. Nicht das System selbst, das man anwendet, ist ursprünglich treibender Motor, sondern der Kern des Inhaltes, der in jeder systemischen Handlung zuvor in seiner Unmittelbarkeit entdeckt und erfahren wurde und erst später methodisiert wurde. Die Form der Handlung selbst ist nicht die Vermittlung, der Dialog, die Kommunikation, sondern das „wie“ in dem „was“, das man signalisieren und transportieren möchte. Und dieses „wie“ entspringt dem Chaos der Lebendigkeit des Lebens am ursprünglichen Quell der Authentizität, jenseits von System und Systematisierung. Ist pure Systemlosigkeit, ist pure Strukturlosigkeit, im freien Fall aller Regeln, mit dem Aufprall auf das bodenlose Etwas, das sich Freiheit nennen darf.

1

Lebenskultur bedeutet auch, dass Verhaltenskultur einhergeht mit Verhaltensnormen, die übertragen, die bewusst bzw. unbewusst weitergegeben werden. Gesellschaftliche Normen als Lenkungen und Einlenkungen, als funktionales Bewältigen des unsicheren, unvorhersehbaren, uneinlenkbaren Chaos, das sich Leben, das sich Lebendigkeit nennt, zu betrachten, hilft zu erkennen. Lebendigkeit regulieren zu wollen und funktionales Bewältigen in Methode zu systematisieren, bedeutet, es sich durch Wiederholbarkeit immer wieder habhaft machen zu können. Ein System, wiederholend, immer wieder anzuwenden, kann auch bedeuten, ihm die Lebendigkeit des Inhaltes zu entziehen, bis die Form, mehr und mehr perfektioniert an Bedeutung gewinnt und der Inhalt entschwindet. Systematisierung erspart Zeit, man kommt schneller zum Ziel und vermindert Kosten. Methoden und Systeme gegenüber Tieren angewandt, kann auch bedeuten, ihnen ihre Lebendigkeit nicht zuzugestehen bzw. ihre Lebendigkeit einzudämmen und auszutreiben bzw. in Form zu bringen, so wie es die Spezies Mensch zur Nutzbarkeit und Gebrauchbarkeit traditionellerweise immer schon angewendet hat.


das sich Freiheit nennen darf
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kult.ur.tier.mensch

2021-02-24 13:01:20

HENGST

Der Hoffnungsträger alle , der Leistungsträger aller, der Stammhalter aller Zuchten. Der, der in der Startbox steht, um im Frühling wieder seiner Arbeit nachzukommen. Für die Stuten. All die Stuten, neue, alte, junge, unbekannte, bekannte, aufdringliche, einfordernde, stille, zurückhaltende, alle auf der Weide, jedes Jahr anders, jedes Jahr neu , die Gruppe, die Herde, seine Herde. Er, der Einzige, er darf, er kann, er will. Er bringt´s. Auch im Stall, im Stutenstall. Die Stuten sind auch in den Startboxen, bereit zum Aufnehmen. Er sieht sie nur von hinten. Lauter Hinterteile dort. Dort, wo es blitzt, dort darf er. Er hat Stehvermögen. Er ist ein ganzer Kerl, mit Durchsetzungskraft, da auf der Weide, da ist er der geborene Leithengst, wenn da nicht die Leitstute wäre, unter all den Stuten, er arrangiert sich mit ihr, wird ihr gerecht. Und wenn nicht, dann darf er - sich ganz hinten anreihen, hinter allen Stuten, der potente Kerl, der. Decken ja, das Paarungsritual vollziehen, ja , endlich! Und falls er es nicht bringt, und wenn er nicht deckt und wenn er sich sogar wehrt gegen die Stuten, weil er partout nicht will, warum will er eigentlich nicht? Er ist doch ein Hengst ! Er hat so viel gekostet! Er hat so einen tollen Stammbaum! Er ist soooo weit gereist! Warum will der nicht, der Kerl? Der G´standene! Er hat zu funktionieren, er hat zu parieren, er hat zu leisten und abzuliefern. Jedes Jahr, zu jeder Zeit, allzeit bereit für jede Stute, die man ihm vorsetzt, der Goldjunge, der. Der Geldjunge, der. Hä, Hä, der Geldjunge, der, der Weitergereichte, der.
Der, der nur Stutfohlen zeugen sollte, wegen Hengstüberschuss, versteht sich. Denn die Hengste, die bringt man nie an, wenn sie sich nicht zum Hoffnungsträger entwickeln, wenn er sich nicht zum Leistungsträger entwickelt, wenn er sich nicht zum Stammhalter aller Zuchten entwickelt. Der , der dann nur den Platz wegnimmt, der, der nur Geld kostet und nichts bringt, der, der, die falsche Fellfarbe hat, der, der eine unzureichende Kopfform hat, der , der eine Gelenksfehlstellung hat, der, der eigentlich ein Stutfohlen hätte werden sollen. Der nichtsnutzige Kerl, der. Weg mit eam.


Hengst
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part three

kult.ur.tier.mensch

2021-02-24 12:31:13

ZUORDNEN EINORDNEN UNTERORDNEN?

Die männlichen und die weiblichen Tiere wurden letztes Jahr einander zugeordnet. Die Nachkommen, die tollen, die mit der richtigen Fellfarbe, die man behält, wurden eingeordnet. Die Tiere, die anderen, die man verkaufte, haben sich den neuen Besitzern inzwischen untergeordnet?
Die Tiere, die schönen, die man kaufen möchte, sind den Zuchtzielen zugeordnet. Die Jungtiere, die sehnlichst erwarteten, die neu angekommen sind, haben sich inzwischen eingeordnet? Die Weiblichen, die müden, haben sich zur neuerlichen Bedeckung dem VermehrerInnen-Willen untergeordnet.
Die Männlichen, die ausgebrannten, werden der Aussonderung zugeordnet. Die Tiere, die jungen, die komplizierten, werden als untauglich eingeordnet? Die Jungen, die nicht perfekten, werden unter Lobpreisungen der Kategorie „für LiebhaberInnen“ untergeordnet? Die Jungen, die nicht perfekten, die nicht verkauften, werden unter Lobpreisungen in die Kategorie „für ZüchterInnen“ zugeordnet? Die weiblichen Tiere, die weniger fruchtbaren, haben sich medizinisch in die Zuchtziele einzuordnen oder werden gutgläubigen Nach-Besitzern untergeordnet?
Die wertvollen Tiere, die reisetraurigen, werden dem Transporter wieder einmal zugeordnet. Diese Besonderen werden für tagelange Aufenthalte in Boxen eingeordnet. Diese Preisgekrönten haben sich den Regeln der Transportfirmen unterzuordnen.
Diese Tiere, die gerade ankamen aber, diese Tiere leider, leider enttäuschend, werden von enttäuschten NeubesitzerInnen doch bald anderen zukünftigen Besitzern zugeordnet. Sind dann alle Tiere in die sich stets wechselnden BesitzerInnen -und Gestüts – Gepflogenheiten eingeordnet und untergeordnet?

Und wenn nicht?

Die Tiere, mit denen man nicht zurande kommt, werden für den Schlachter zugeordnet? Die Tiere, die nicht gebraucht werden, werden für den Schlachter eingeordnet? Die Tiere, die keiner mehr will, werden dem Schlachter untergeordnet?

Haben sich möglicherweise alle menschlichen Beteiligten schon lange kollektiv diesen kultur-gesellschaftlichen Spielregeln still und leise untergeordnet?

zuordnen einordnen unterordnen
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part two


kult.ur.tier.mensch

2021-02-24 12:19:35

EINHORN DER MODERNE
oder Engel auf vier Hufen

1

Was macht die Faszination aus, was ist die Motivation Mini-Shetland-Ponies zu halten? Und welche Besonderheiten haben Minis, dass diese Faszination dann noch verstärkt wird? Was macht das Faszinosum „Mini“ aus, dass Menschen von Suchtpotential sprechen, sich immer mehr Ponies bis zur endgültigen Überforderung anschaffen und eine Mystifizierung stattfindet, dass sie mit Einhörnern verglichen werden und als märchenhafte Projektionsflächen angehimmelt werden? Welche gestalterische Bedeutung kommt dabei den ZüchterInnen zu, wenn sie schöpferisch in die Natur eingreifen und nach ihren Vorstellungen Mini-Shetlandpony – Leben hervorbringen? Wenn all die VermehrerInnen korrekte, langlebige, robuste und obendrein charakterlich menschen– und kindergerechte Mini-Shetland-Ponies züchten wollen, um dann einen Teil davon als „nicht ganz für die Zucht geeignetes Ponymaterial“ in Händlermanier auf den Markt und damit in die Welt zu entlassen, in Obhut bzw. in die Fänge eifriger Käufer & Käuferinnen, die gierig die Hände nach diesen kleinen Geschöpfen ausstrecken und bereit sind, eine Menge Geld für die Glückseeligkeit so eines Engels auf vier kleinen Hufen auszugeben? Und Pony - Konsumenten in social media vor lauter Begeisterung gar nicht mehr in der Lage sind, ihre Gefühle in Worte zu fassen, sondern sich in endlosen Aneinanderreihungen von roten Herzerln Luft machen? Aufseufzend, das Objekt der Begierde endlich erworben zu haben, um es sich dann enthusiastisch als Zuchtpony zweiter Wahl als Show-, Kinder-, Fahr- oder Therapiepony und Schmusepony für kurze Zeit vorübergehend nutzbar zu machen.
Was macht die Faszination aus?
Weil diese Ponies mit ihrem Winterfell wie Fabelwesen aus einer anderen Zeit wirken und eine Aura des Geheimnisvollen um sich verbreiten? Und weil ihnen nachgesagt wird, dass sie Glückshormone ausschütten, wenn man sich in ihrer Nähe befindet? Was ist das Geheimnis ihrer Anziehung über ihrer Kleinheit hinaus? Sind es die großen runden Kulleraugen, die auch in der westlichen Kultur Gefühle der Zuneigung und den Drang des Beschützens in uns auslösen? Oder ist es gerade ihre Kleinheit, besonders der Fohlen, die sie so reizvoll erscheinen lassen und nicht nur Kleinstkindern zum Schmusen als lebendiges Spielzeug in die Arme gelegt werden?
Was ist es in ihrem Wesen und in ihrer Erscheinung, das in Menschen fieberhafte leidenschaftliche Gefühle auslöst und sich potentielle Käufer, mehrheitlich Frauen, in Pony-Shopping-Hysterie überschlagen, um ein ganz bestimmtes prachtvolles, ach so süßes Mini- Pony zu erwerben? Und welche Rolle spielt wiederum die Vermehrer-Community Attribute wie sanftes Temperament, besondere Kleinheit, außergewöhnliche Fellfarben, je nach Modeströmung, züchterisch hervorzuheben?
Die Zucht ist das Fundament für den Pony-Markt, denn Minishettys gibt es nicht als Wildherden bzw. verwilderte Herden, aus der man einzelne Tiere einfängt und dann für sich als Mensch nutzbar machen möchte, sondern werden ausschließlich durch Züchtung in die gesellschaftliche Lebenskultur eingebracht. Die Produktionsmaschinerie des Kinder–Freizeitkultur-Schmusetieres Mini-Shetland-Pony läuft wie geschmiert, vorhersehbar mehr als der Markt vermutlich zukünftig vertragen kann, mehr als Ponies mitunter aushalten können. Was motiviert immer mehr Menschen, den zeit – und arbeitssamen und mitunter finanziell sehr hohen Aufwand zu investieren? Wenn sie bereit sind finanziell zu investieren. Noch dazu um letztendlich Rückenschmerzen und Knieschmerzen in Kauf zu nehmen - denn sind nicht Mini-Ponies die einzigen Pferde, die es schaffen, dass man ununterbrochen vor ihnen auf die Knie geht?

Einhorn der Moderne
oder Engel auf vier Hufen
KULT.UR.TIER.MENSCH
interdisziplinäres kunst text projekt
part one

kult.ur.tier.mensch

2021-02-24 07:41:38

EINHORN DER MODERNE
oder Engel auf vier Hufen

2

Ausschließlich begeistertes „In - die Knie – gehen“ und ständiges Vorbeugen und damit königliches Sich-Verbeugen vor Mini - Ponies alleine kann nicht genügen. Die menschlichen Herausforderungen zum Wohle dieser Einhörner der Moderne sind vielfältigst. Dem oft nicht entsprechend und das oft nicht bewältigend erzeugt kuriose Abstrusitäten und Unartigkeiten anstatt Artgerechtigkeiten zum Wohle der „Engel“ auf kleinen Huferln, treiben in dieser Situation seltsame gesellschaftliche Stilblüten der Ko-Existenz Pony-Mensch.
Da drängt sich die Frage auf: was ist bitte schön mit den Qualitätskriterien all der menschlichen VermehrerInnen und zukünftige EigentümerInnen? Werden sie selbst den angestrebten Standards gerecht, die sie als Maßstab an ihren eigenen Ponies anlegen? Oder bestünde möglicherweise die Notwendigkeit die Pony-HalterInnen selbst allesamt mit folgenden Qualitätskriterien auszustatten: liebevoller aufrechter Charakter, ausgestattet mit einem Verantwortungsbewusstseinsgen, weiters von Blutlinien stammend, die für Umsichtigkeit, Klugheit sowie Geduld stehen. Zukünftig diese VermehrerInnen mit Beziehungsfähigkeit, Informationswillen sowie Kommunikationsfreudigkeit und Lernbereitschaft als Temperamentsmerkmale versehend und mit regelmäßigen Impfungen für soziale Kompetenz und ethisches Handeln versorgend, die ebenfalls Körungskriterien für Männer und Frauen sein könnten, um 100 %ige Qualität garantieren zu können? Betraut mit dem Fundament an Finanzkraft gepaart mit der Bereitschaft zur Sorgfaltspflicht, mit Integrität und Aufrichtigkeit und dem nötigen Überblick für Angebot und Nachfrage und damit dem „Pony- Überschuss“ letztendlich den Gang zum Schlachthof ersparend?
Ob die Papiere unserer eigenen Spezies, die nach genauer und gewissenhafter Beurteilung ausgestellt werden, ob diese Papiere das Exterieur der Menschen beinhalten soll, wäre noch zu diskutieren. Oder? Oder wie gefällt die Idee, dass vor den Augen einer fachkundigen Jury, zusammengestellt aus einer erlesenen Auswahl an erfahrenen Mini-Ponies , dass all die menschlichen männlichen und weiblichen VermehrerInnen auf einem sportlichen Laufband präsentiert werden , und dass diese Pony-Jury menschliches Äußeres wie schütteres Haar, glanzlose kleine Augen, kurzer Hals, großen Ohren, flache Brüste, schmale Hüftbecken, krumme Beine, eingefallene Schultern, fahle Haut, geschmackloser Kleidungsstil, beurteilt und bewertet? Noch dazu mit besonderer Aufmerksamkeit auf die drei Grundgangarten: schlurfiges Gehen mit rundem Rücken, leichtes nervöses links und rechts - Trippeln, o – beiniges schwankendes Laufen mit Kurzatmigkeit? Wie gefällt diese Idee?
Und was würde mit der Spezies Mensch, der der Beurteilung durch die Pony-Jury nicht gerecht wird und zur Körung nicht zugelassen wird, passieren? Nein, unsere Spezies würde nicht möglicherweise in Kleinstboxen dahinvegetierend, Gefängnissen gleich, untergebracht werden. Es liegt die Vermutung nahe, dass die Pony-Jury, alles, auch jenes „Menschenmaterial“, das nicht 100 % der Qualität entspricht, vermutlich in die Wildnis entlassen und uns uns selbst überlassen würde. Ob das allerdings ein Segen wäre, ist zu bezweifeln. Oder glauben Sie, in der Wildnis noch überleben zu können?


Einhorn der Moderne
oder Engel auf vier Hufen
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work in progress
part one


Liebe Leserinnen und Leser!

2021-01-26 11:28:20

Es war an der Zeit, neben der Kunst web side auch eine eigene web side für meine Ponies einzurichten. Sie geben mittlerweile den Rhythmus meines Lebens vor. Durch sie bin ich täglich an der frischen Luft, sie halten mich fit, sie bringen mich zum Schmunzeln und zum Lachen. Sie bereiten so viel Freude und sind so liebenswerte Geschöpfe, dass sie es wirklich verdienen, eine eigene Seite zu bekommen. Man muss kein kleines Mädchen sein, um shettys zu schätzen, sondern sie einfach ganz sie selbst sein lassen, in ihrer Art, dann zaubern sie jedem, ob jung oder alt, ein Lächeln auf das Gesicht und ein Lächeln im Herzen. Auf dieser neuen home page findet Ihr die Persönlichkeitsbeschreibung meiner Hufflohdscherln als auch eine Beschreibung der Entwicklung des Gestüts vor, das wir für sie hergerichtet haben.Empfehlen möchte ich auch den Text "der Seele folgen" zum Thema Beziehung zwischen Tier und Mensch auf der Startseite, neben den laufenden neuen Blog-Eintragungen hier.


Astrid & das Pony-Trio

Text A.B., © Astrid Bayer, all rights reserved

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