Liebe Leserinnen und Leser!

2021-04-20 09:54:21

Beziehung zwischen Mensch und Tier ist die Thematik, die der blog hier allgemein in nachfolgenden Texten aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet und der laufend aktualisiert wird in den Kategorien: Ethik, Alltagsmomente, kult.ur.tier.mensch, Seele, Texte zu Anfragen und Allfälliges. Es war an der Zeit, die schon lange bestehende art home page um eine web side zu erweitern, die auf der Hauptseite meine Beziehung zu meinen shetties beschreibt und damit meiner Wertschätzung für sie sichtbaren und lesbaren Ausdruck verleiht. Ich freue mich, wenn auch sie gemeinsam mit dem Blog auf so viel Interesse stößt wie die art home page.

G.D.M.V.

2021-04-19 15:41:08

Glorifizierung . Dämonisierung . Mystifizierung . Versozialisierung

Die Glorifizierung unserer tierischen Gefährten, behindert unsere Sicht auf die Wirklichkeit, dass wir bedürftig sind nach Freiheit, dass wir bedürftig sind nach unserer eigenen wilden Natur, dass wir bedürftig sind nach ihren Eigenschaften, die wir scheinbar verloren haben, während sie, unsere tierischen Gefährten, einfach nur sind, ganz im Hier und Jetzt im Leben ums Überleben.

Die dämonisierenden Eigenschaften, die von uns den tierischen Gefährten zugeschrieben werden, behindern unsere Sicht auf die Wirklichkeit, dass uns unsere Dämonen rufen, sich zu stellen, dass es gilt das Verständnis für unsere innere Natur wieder zu finden, während sie, unsere tierischen Gefährten, einfach nur sind, ganz im Hier und Jetzt, im Leben ums Überleben.

Die Mystifizierung unserer tierischen Gefährten, behindert unsere Sicht auf die Wirklichkeit, dass wir uns unserer eigenen Sehnsucht nach tiefer Erkenntnis stellen wollen, dem Geheimnis des Wunders „Leben“ ein bisschen näher zu kommen, während sie, die tierischen Gefährten, einfach das Leben selbst sind, Tag für Tag, ganz im Hier und Jetzt lebend, ums Überleben.

Ein zum Schein sozialer Akt, unsere tierischen Gefährten immer liebkosen zu wollen, sie ständig berühren wollend, von ihnen geliebt werden wollend, verstellt die Sicht auf die Wirklichkeit, dass wir bedürftig sind nach Liebe und Geborgenheit in menschlicher Qualität, während sie, die tierischen Gefährten, neugierig und fragend in Dialog mit uns treten wollen, in Sinnhaftigkeit im Hier und Jetzt, um zu überprüfen, sich dem Schutzbietenden und dem Versorger anvertrauen zu können, da es nicht um Liebe geht, sondern ums Überleben.

kult.ur.tier.mensch

2021-04-19 12:24:30

FREMDKÖRPER

4

Auch Tiere möchten die Chance ergreifen, dass sie uns in unserer eigenen Ausdrucksfähigkeit und Mitteilsamkeit erfahren lernen, sie uns in unserer eigenen Bewusstheit erkennen können, wer wir als Spezies Mensch sind und wie und was wir mitteilen wollen. Auch Tiere haben ein großes Interesse in ihrer unbedarften Neugierde und ihrer unermesslichen Toleranz Brücken zu wohlwollender und sinnvoller Kommunikation mit uns zu bauen; und da handelt es sich nicht nur um domestizierte Tiere, auch Wildtiere sind bereit, in Kontakt mit wohlwollenden Menschen zu treten, sie in ihre Herden und Rudel aufzunehmen, wie zahlreiche Erfahrungsberichte und Studien inzwischen belegen. Und tiefer Dialog setzt voraus, dass wir uns zuallererst unseres eigenen Instrumentariums des Organismus ganzheitlich bewusst sind, um ihn dann als Vermittler für Dialog einzusetzen.
Unsere Hausaufgaben bestehen nicht nur darin, sich umfassend anzueignen, mit wem wir es als unserem tierischen Gegenüber zu tun haben, sondern auch gleichzeitig, uns selbst zu erfahren, wer wir sind, was wir spüren und fühlen, wie wir uns ihnen gegenüber geben und handeln, um unseren tierischen Gefährten zu ermöglichen, uns so zu erfahren und sie das lesen zu lassen, was beiden in ihrer Beziehung zu einander von Sinn und Nutzen des gemeinsamen Dialogs, des gemeinsamen (Er-)Lebens dienlich ist.

fremdkörper
KULT.UR.TIER.MENSCH
interdisziplinäres kunst text projekt
work in progress
part eight

kult.ur.tier.mensch

2021-04-19 12:01:53

FREMDKÖRPER

3

Was wir in der Lage sind, durch denkerische Leistung wett zu machen, um im Ausgleich unserer Mankos das Leben zusehends zu erleichtern und unser Leben zu verlängern, was an Fähigkeiten des gesamten menschlichen Organismus da ist, das können wir aus dem Dornröschenschlaf erwecken, kann noch bewusster gemacht werden und nutzbar gemacht werden und ist damit hilfreich für den Umgang mit unseren tierischen Gefährten.

Statt menschliche Mankos als Herausforderungen durch Equipement und Gerätschaften nach außen zu verlagern, können wir in Dialog mit unseren tierischen Gefährten treten, indem wir anstreben unsere eigene ganzheitliche Körpersprache zu kultivieren und für den Dialog zu nutzen, uns dem eigenen für uns fremden Körper wieder anzunähern und den Organismus in seinem ganzen Potential zu fördern.

Ein Anfang kann sein, uns in unserem Körper zu spüren, umräumliche Wahrnehmung zu sensibilisieren und zu steigern, und immer wieder erkennen, welche Bedürfnisse, Gefühle und Empfindungen uns antreiben und wir ausstrahlen, unbewusst ausdrücken. Wir sind fähig, nach und nach wieder zu spüren, auf welche Weise, wo und wann welche Gesten wir einsetzen, und uns daran auch wieder erinnern zu können.

Wissend, dass wir, selbst wenn wir gedankenlos und verträumt uns ihnen nähern, dass diese Unbewusstheit für Tiere auch schon Information bedeutet, aber sich das tierische Gegenüber wundert und verwirrt ist, was für Signale das wohl sein mögen, weil Chaos vermittelt wird und keine Klarheit mit Sinn, dann erkennen wir auch die Notwendigkeit, uns selbst Aufmerksamkeit zu schenken, unsere Instinkte wieder zu aktivieren – Menschen, die viel in der Wildnis leben, wissen von diesen gesteigerten Fähigkeiten - dann können wir uns selbst beobachten, wie atmen wir, wo atmen wir in unserem Körper, spüren wir den Boden unter unseren Füßen oder sind wir in unserem Kopf gedanklich gefangen, nicht präsent und achtlos in unserem Tun und Handeln, ferngesteuert ihnen gegenüber, nicht wissend, welche Signale wir aussenden, welche Bedeutungen für sie unsere körperliche Anwesenheit, unser Körperausdruck in jedem Moment in Zeit und Raum und Gestus haben kann.

Wenn der eigene Körper für uns fremd ist, wir für uns selbst unsichtbar und unlesbar bleiben, wie soll dann eine Brücke des Dialogs zu unseren so komplex ausgerichteten tierischen Gefährten möglich sein?

fremdkörper
KULT.UR.TIER.MENSCH
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part eight

kult.ur.tier.mensch

2021-04-19 11:40:45

FREMDKÖRPER

2

Unter dem Aspekt ihrer umfassenden Veranlagungen, erscheint es anmaßend von uns, unsere tierischen Gefährten mit unserem ganzen Stolz, Hochmut, Arroganz, Gewalt und Ignoranz gefügig und permanent nutzbar machen zu wollen. Wir, deren Fortschritt darin besteht, dass wir gesellschaftliche industrielle Kulturen entwickelt haben, um Mankos auszugleichen und die damit einhergehenden Mühen durch andere Konzepte des Überlebens weiterentwickelt haben und damit scheinbar überwunden haben.

Kein Fell, um im Winter zu überleben, keine Schnelligkeit, um langfristig jagen und erbeuten zu können, kein ausreichender Geruch, um Fährten aufnehmen zu können, sondern das Sehen eingesetzt werden muss, das Hören reicht auch nur für eine kurze Distanz, das umräumliche Gesichtsfeld zur Gefahrenerkennung lässt ebenso zu wünschen übrig und zu spüren, mit eingeschlafenen Instinkten, was unmittelbar hinter uns ist, da kommt man auch nicht mehr weit. Apropos „Weit-Kommen“, weder sprint noch Ausdauer sind unsere Stärken, und weite Strecken zu schwimmen und Meere zu durchqueren - vergessen wir es. All diese mühsam antrainierten Leistungen überlassen wir lieber kurzfristig tätigen Spitzen-SportlerInnen bzw. spezialisiertem Alltags-Equipement und hochtechnologischen mobilen Gerätschaften, die zum Ausgleich unserer Mankos für Ersatz sorgen. Und spätestens bei der Herausforderung des Fliegens, wissen wir, was es alles an technischer Entwicklung brauchte, dass wir bequem in einem Jet sitzen können, um durch den Himmel zu gleiten.

Die menschliche Spezies weiß um die evolutionären Entwicklungen in der Tierwelt, sodass Forschungen der Materialkunde bei Insekten z.B. technologische Ansätze hat,
die zur weiteren Entwicklung für unseren Fortschritt von Relevanz sind. Wir trachten danach, Ergebnisse perfekter tierischer Evolutionsentwicklungen, die mitunter Millionen von Jahren der Reife bedurften, zu kopieren, um sie für uns, die wir in der jetzigen Gestalt nur eine kurze Zeitspanne auf diesem Globus existieren, laufend nutzbar zu machen.Wenn wir für unsere tierischen Gefährten, unter dem Aspekt ihrer umfassenden Veranlagungen, in unserem inneren und ausgedrückten Chaos immer sichtbar sind, aber wir für uns selbst unsichtbar und unlesbar bleiben, wie soll dann eine Brücke des Dialogs möglich sein?

fremdkörper
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part eight

kult.ur.tier.mensch

2021-04-19 10:12:24

FREMDKÖRPER

1

Unter dem Aspekt, dass die menschlichen Sinne der Wahrnehmung weitaus mangelhafter entwickelt sind als die der (Wild,- und Haus-) Tiere, dass der menschliche Organismus nicht annähernd so vielseitig konditioniert ist, können wir davon ausgehen, dass unsere tierischen Gefährten uns besser lesen und wahrnehmen können, als uns unsere eigene Spezies. Sie wissen mehr über uns als wir über uns selbst.

Körperhaltung, Körperbewegung, jegliche kleinste Millimeterregung im Gesicht und in der Veränderung der Körperhaltung, wird von ihnen sofort wahrgenommen, sowie Ausstrahlung, Befinden in der Ganzheitlichkeit, hormonelle Reaktionen unseres Körpers werden erkannt.

Geruchsinn erkennt Körperstellen, die vielleicht an uns erkrankt sind, Energiefelder, die in uns in den Organen sind, die am Körper haftend uns umgeben, werden von unseren tierischen Gefährten wahrgenommen, mitunter auch von ihnen aufgenommen. Sie erfassen, wo unser Körperschwerpunkt ist, welcher körperlichen Motorik wir uns in (all-)täglichen Handlungen bedienen, welche Farbnuance unsere Stimme heute hat, die dahinter liegenden Emotionen welche Art von Stimmung erzeugen, ja auch in welcher Frequenz wir schwingen.

Alles Bereiche, die unzählige hochqualifizierte menschlicher Fachleute bedarf, aber all diese Bereiche, ist ein Tier, in unterschiedlichster Ausrichtung, alleine in der Lage sofort zu erkennen. Erwähnt sei, dass sich Wissenschaftler und Mediziner der tierischen Fähigkeiten permanent in Forschungen in Kooperation mit ihnen bedienen, nein, keine Tierversuche, sondern in echter Kooperation mit ihnen, ihrer bedienen.

fremdkörper
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aus aktuellem Anlass

2021-04-17 07:45:14

ISMAEL IVO, Brazil

Dez. 1955 - April 2021

Tanzkunst-Schaffender, Mitgründer Internat.Tanzwochen Wien und ImPuls Tanz Wien

Ein Poet der Körperkünste,
der die Flamme des Herzens
in seiner kraftvollen Gefühlssprache verbal und tänzerisch
millionenfach an Andere weitergereicht hat.

Meine Tränen begleiten Dich,
Perlen gleich,
um den Hals von Pegasus gelegt,
der Dich geleitet und trägt,
um mit Dir nun tanzend den Himmel zu erobern.

Alles Gute, Ismael.

kult.ur.tier.mensch

2021-04-16 17:23:08

TRÜGERISCH

Da war Unruhe in der Siedlung. Ein Rumoren ging durch die Nachbarschaft. Fenster wurden auf und zu gemacht, immer wieder in den Baum gestarrt, dieser eine Baum so nah bei den Häusern, beunruhigend. Man traf sich und beriet sich, was nun zu tun sei, zwei Tage lang war man sich nicht im Klaren, was unternehmen. Die Nervosität stieg zusehends, denn da war etwas in den Ästen dieses einen Baumes, nicht genau ausnehmbar. Verzerrt und unscharf, keine klaren Konturen zeichneten sich ab. Die Farbe dieses Etwas auch nicht genau definierbar und erst die Form, monströs, so raupenartig monströs, viel größer als eine Raupe, viel, viel größer. Wenn es raupenartig ist, würde das auch bedeuten, dass da etwas schlüpft, dass da etwas möglicherweise rausschlüpft und entgleitet, rausgleitet, monströs den Baum runter gleitet vielleicht oder fliegt, auf die Leute zufliegt vielleicht oder doch in die Häuser vielleicht hineingleitet. Nicht auszudenken, nicht vorstellbar, was dieses Etwas da im Baum alles anrichten könnte. Schauderhaft war diese Ungewissheit und schaudernd zogen sich die Anrainer zurück. Und nach einem einhergehenden Streit mit ihrem Mann, ob und ob nicht, oder doch, aber vielleicht doch nicht, griff Frau Ganzbesorgt, Frau Verantwortungsbewusst, Frau Mutig zum Hörer, also zum Mobiltelefon und rief den Tierschutzverein an. Ja, sie ergriff die Initiative, ja sie würde etwas unternehmen, sie schreitet zur Tat! Sie fragt sich ja auch schon die ganze Zeit, warum sie nicht für das Bürgermeisterinnen-Amt kandidiert! Aber jetzt, und endlich – das Team der Tier-Rettung rückt an, die Erlösung naht, weg mit dem Unruhestifter da im Baum, weg mit der Gefahr, die uns alle tagelang schon in Atem hält. Vielleicht gleich weg mit dem ganzen Baum da. Ein bisschen atemlos und hin und weg war auch dann das Tierschutz-Team, vom Baum heruntergeholt und in Händen haltend: ein croissant, das französische Kipferl des Schreckens Aller!

Da war nun große Aufregung in der Siedlung. Na, von diesem Schock muss man sich aber jetzt erst einmal erholen, denn was hätte nicht alles passieren können, was wäre das für ein Leben hier weiterhin gewesen, wenn das Kipferl kein Kipferl gewesen wäre, wenn es doch, und dann hätte es vielleicht möglicherweise und unter Umständen wäre dann und gar nicht auszudenken, was da noch Alles auf uns zugekommen wäre, keine ruhige Minute hat man mehr hier, neben dem Baum da mit dem croissant da, in dieser Natur da!

Begegnet ein Wolf einem anderen Wolf im Wald, denkt er: naja, wird wohl ein Wolf sein. Begegnet ein Mensch einem anderen Menschen im Wald, denkt er: uiiiiiiiiii, vielleicht ein Mörder! Begegnet ein Mensch einem Kipferl im Baum, denkt er: um Gottes Willen, sicher ein Monster!

trügerisch
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part seven

FOLGEN

2021-04-16 08:11:41


Den Kopf zum Herzen beugen und
die innere Haltung wird folgen.

Den Weg nach dem Kompass des Mitgefühls ausrichten und
das Handeln wird der inneren Haltung folgen.

Und dann folgen die tierischen Gefährten nach.

Miteinander das Leben erfolgreich, in Harmonie,
Gesetzen der Seeligkeit folgend.

kult.ur.tier.mensch

2021-04-10 19:20:23

FOHLEN - BBB

Der Winter ist fad, so richtig fad. Kalt und dunkel, nix los am Gestüt, naja ein bisserl genießt man die Ruhe halt schon, denn es war ja wieder ziemlich anstrengend, die Herbst-Zeit, Absetzer-Zeit, Verkaufszeit. Nervig. Die ganzen Anfragen für den Kauf, dann die Fotos, die Videos, und dann wird´s erst nix. Alles time waster, die gern wollen, aber dann do net können oder do net wollen oder so. Aber der Frühling macht den Frust dann wieder wett, nein, nicht wegen den Blümchens und Bienchens und so, naja, a bisserl auch, aber im Frühling, da kommen so richtig die Muttergefühle wieder hoch, die Erinnerung an das erste Baby, welch eine Freude für die ganze Familie das war. Und im Frühling, jeden Frühling, da geht es dann weiter mit den Babys, ein richtiger Boom an Babys. Nein, nein, nicht wieder froher Erwartung, aber kaum zu erwarten der Frühling, jeder einzelne Tag wird gezählt, bis es soweit ist. Ja,schon Babys, aber es sind die anderen Babys gemeint, die Fohlenbabys, ja genau, die, meinen´s. Wie werden die Fohlen aussehen, werden sie den Vorstellungen entsprechen? Werden sie gelungen sein, werden sie herausragend sein, werden sie überragend sein, über all die anderen ragen, die auch Babys bekommen, werden sie? So süß die Kleinen, jedes so süüüüüüüüüß, und kaum liegen sie im Stroh, noch gar nicht richtig da in der Welt, diese kleinen Hufwürmchen, da stört so ein großer Schatten bei der Box und da geht es klick und klick und klick und noch einmal klick, aha Fotos geschossen, die ersten, die allerersten und schwubbdiwubb ins Netz gestellt, Ja, auch da sind´s die Ersten, haben die Fohlensaison eröffnet, jucchuuu, die Ersten, und schon so früh! Nicht, dass da Konkurrenz-Druck da ist, aber woher denn, sicher nicht doch. Aber sie sind so begeistert, jedes Pony-Sternlein, das die Welt erblickt, macht so froh und ist so neu und ist so aufregend. Leider, leider werden Fohlen so schnell groß, dann sind sie nicht mehr so neu und nicht mehr so aufregend und nicht mehr so süß, wenn die Gewohnheit und der unaufregende Alltag wieder einkehrt und der erste Kick der Baby-Boom-Begeisterung wieder in den faden dunklen Winter übergeht. Seufz. Aber da ist ja noch immer und immer wieder die Hoffnung auf den nächsten Frühling und den nächsten Kick.

fohlen - bbb
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part six

Liebe Leserinnen und Leser!

2021-04-10 19:15:33

PONY - KAUF

Ich bin mir sicher, dass da draußen viele Ponies darauf warten, ein liebevolles zuhause zu bekommen. Zum Thema "Pony-Kauf" kann ich nur immer wieder mitteilen, dass meine Ponies nicht verkäuflich sind. Ana Tara ist auch kein Zuchtgestüt. Solange wir hier noch gesundheitlich in der Lage sind, sie zu betreuen und dabei zu fördern, bleiben sie hier. Ich habe sie nach einjähriger Suche als Herzensponies ausgesucht bzw. sie mich gefunden, und sie haben hier ihren Lebensplatz. Ich lass sie nur gehen, wenn sie es selbst so wollen, aber das ist derzeit nicht der Fall.

Aber da gibt es viele Ponies da draußen in der Welt, die gerne ein friedliches Leben mit ihresgleichen unter wohlwollender Fürsorge mit Euch leben wollen. Gleichgültig, ob es ein sogenanntes "Billigpony" (welch ein Wort für eine Ponyseele!) oder Eines aus einem Gestüt "gehobener" Zucht ist. Jedes Pony verdient es, dass es ihm gut geht. Und kranke Tiere, vernachlässigte Tiere, verbrauchte, verstörte, abgestumpfte und falsch behandelte Ponies, kann es da wie dort geben. Und übrigens, beim Kauf lasst Euch nicht von der Freundlichkeit der VerkäuferInnen zu sehr beeindrucken, auch nicht von der Lobhudelei, was für ein großartiges Pony angeboten wird, alles relativ und halb so heiß gegessen wie gekocht.

Und so oder so, habt Ihr einmal die richtigen Ponies für Euch gefunden, wartet viel Arbeit auf Euch, wenn Ihr ihnen ein gutes Leben bieten wollt. Was auf Euch zukommt, werdet Ihr vor dem Kauf zwar nie in vollem Umfang erfahren, denn die Auskünfte sind meistens ziemlich einsilbig und karg, wenn überhaupt, (damit der Verkauf nicht gefährdet wird?), aber ich bin mir sicher, Ihr werdet mit ihnen viel Freude haben, wenn sie einmal bei Euch sind und Ihr die Verantwortung wahrnehmt und bereit seit Aufmerksamkeit, Zeit und auch Geld und in ein ausreichend großes Grundstück mit passendem Gestütsinventar zu investieren und Euch gut auf ihre Ankunft vorbereitet habt. Sie werden es Euch danken.

Geht ins Netz, schaut Euch aber auch regional um, mit dem Auto bleibt stehen, wenn Ihr auf Weiden Ponies seht, die Euch gefallen, klopft an die Haustür, Ihr werdet überrascht sein, welch interessante Gespräche sich dabei ergeben. Und folgt Eurem Herzen, macht Euch auf den Weg, besucht die Ponies, bevor Ihr sie kauft, denn Fotos können auch sehr trügerisch sein, und online-shopping-Käufe können zu großen Enttäuschungen führen. Erkundigt Euch über die bisherige Haltung, schätzt die Gesamtsituation auf dem dortigen Gestüt ein, hört auf Euer Herz, auch wie vertrauenswürdig die VerkäuferInnen Euch erscheinen, checkt das Pony gesundheitlich durch oder nehmt Jemanden mit, der Erfahrung darin hat, und dann ab ins Abenteuer.

Und rettet mitunter vielleicht dann auch in Boxen dahinvegetierende Beisteller-Ponies aus Reitställen, einsame Ponies aus Tierschutz-Einrichtungen, vielleicht unglückliche Ponies von überforderten ZüchterInnen, abgestumpfte Ponys von Privaten, eventuell genervte Streichelzoo-Ponies von Gastronomen, im Stall angekettete verwahrloste Ponies von Landwirten etc. Egal, lasst Euch auf das Abenteuer ein, wenn Euch der Weg dorthin führt.

P.S. Und erfüllend kann es für beide Seiten sein, Euch weiterzubilden, wie man als Mensch in wohlwollende Beziehung und Umgang gehen kann zu einem Pferd. Denn auch ein Pony ist und bleibt ein Pferd, egal wie klein und kuschelig es ausschaut, und Ihr werdet Euch wundern, wie kommunikativ und lebendig die Beziehung zu ihnen sein kann, wie gewaltfrei und schmerzlos zum Wohle der Ponies. Da gibt es eine Frau, die es in Bayern zu wahrhaftig elementarem königlichen Wissen und Weisheit gebracht hat und wahrlich ein alexandrinisches Lehr-Reich des Pferdefriedens aufgebaut hat; sie kann Euch dabei helfend unter die Arme greifen. (Lasst mir die Freude dieses kleinen Rätsels, zwei Worte in diesem Satz geben ihren Namen preis).

Und wenn Ihr bei der Auswahl der Ponies dann noch auf die artgerechte soziale Struktur einer Herde, Eurer Herde achtet, dann werden die Ponies auch ein schönes Leben untereinander bei Euch haben, wenn Ihr nicht immer dabei seit. Es ist auch kein Schaden, wenn die Ponies um ihrer selbst willen geliebt und geschätzt werden und nicht immer in eindimensionale Schubladen und Kategorien der Benutzbarkeit eingeteilt werden. Denn darüber hinaus sind sie in der Lage, für uns Menschen ungeahnte Möglichkeiten ihres uralten Wissens der Wahrnehmung und des Dialogs zu entfalten und zu entwickeln, wenn man ihnen den Raum und die Freiheit lässt, und selbst die Bereitschaft mitbringt, sie nicht auf gängige ehrgeizige Gebrauchs,- und Umgangsmuster unserer Leistungs,- und Spaßgesellschaft zu reduzieren.

Und vielleicht verspürt Ihr selbst den Drang, Euch aus den reduzierten, eingrenzenden Schubladen zu befreien, in denen Ihr möglicherweise selbst steckt?

Auf geht´s, und ich wünsche Euch alles Liebe und Gute dabei!

Alltagsmomente

2021-04-10 19:03:46

CHILLI´ S TURNÜBUNGEN DER FEINMOTORIK

Während sich die Ponies mit dem anstrengenden Fellwechsel die Zeit vertreiben bis es dann endlich auf die grünen Wiesen rausgeht, montierten wir ein neues Objekt in der Koppel, das sie alle Drei sofort neugierig machte. Ein handelsüblicher Kehrbesen, fast einen halben Meter lang, ohne Stiel, aus Holz mit 10 cm langen Borsten in Knallrot wurde von uns auf den Kopf gestellt, zwei kleine Holzsteher in den Erdboden geschlagen und der Besen mit Borsten nach oben, himmelwärts, draufgeschraubt, sodass das ganze Gestell und das Ende der Borsten auf einer Höhe von 32 cm ist. Es dauerte keine Stunde, da entdeckte Chilli die Vorzüge der Schrubbelhilfe. Glory, die bisher die kleinen Latschenkieferbäumchen als Bürste für ihre Bauchmassagen verwendet hatte, zum Leidwesen der Latschen, ging des Morgens einmal elegant über die Bürste zwischen ihren Beinen drüber und fertig war das Bauchkämmen für den Tag. Chilli entwickelte Bewegungsfinessen, die schon Turnübungen gleichkommen. Die Bürste der Längs nach unterm Bauch anvisiert und ein stetiges Hin,– und Herwippen des ganzen Körpers bereitet ihm genauso Freude, wie ein anschließendes Bauchrubbeln, wenn er quer drübersteigt und mit einem eleganten Hüftschwung in einer Achterschleife wedelnd, die Bauchhaare entfernt. Ein vorsichtiges Runtersteigen mit einer Wende, kurz mal an der Bürste gerochen und dann geht´s weiter mit einer Rückwärts-Schrittfolge, um den Rand der Besenborsten zu den Hinterbeinen gut zu platzieren. Mit einem Hin,– und Hersteigen, in dem er die Hinterbeinchen abwechselnd leicht seitlich anhebt, damit auch die Innenseite der Schenkel gerubbelt werden können, schließt er die Vormittags-Hygiene ab. Indimoon ignoriert den großen Pony-Kamm noch, während Chilli neben seiner neuen „Turnstange“ ein Nickerchen hält.

kult.ur.tier.mensch

2021-04-10 07:35:35

DAS SICH FREIHEIT NENNEN DARF

1
Lebenskultur bedeutet auch, dass Verhaltenskultur einhergeht mit Verhaltensnormen, die übertragen und die bewusst bzw. unbewusst weitergegeben werden. Gesellschaftliche Normen als Lenkungen und Einlenkungen, als funktionales Bewältigen des unsicheren, unvorhersehbaren, uneinlenkbaren Chaos, das sich Leben nennt, das sich Lebendigkeit nennt, zu betrachten, hilft zu erkennen. Lebendigkeit regulieren zu wollen und funktionales Bewältigen des Handelns in Methode zu systematisieren, bedeutet, es sich durch Wiederholbarkeit immer wieder habhaft machen zu können. Ein System, wiederholend, immer wieder anzuwenden, kann auch bedeuten, ihm die Lebendigkeit des Inhaltes zu entziehen, bis die Form, mehr und mehr perfektioniert an Bedeutung gewinnt und der Inhalt entschwindet. Systematisierung erspart Zeit, man kommt schneller zum Ziel und vermindert Kosten. Methoden und Systeme gegenüber Tieren angewandt, kann auch bedeuten, uns selbst nicht lebendig zu halten, ihnen ihre Lebendigkeit nicht zuzugestehen bzw. ihre Lebendigkeit einzudämmen und auszutreiben, sie in Form zu bringen, so wie es die Spezies Mensch zur Nutzbarkeit und Gebrauchbarkeit traditionellerweise immer schon angewendet hat.

2
Die Anfänge der Industrialisierung, eine Handlung in einzelne Arbeitsschritte zu zerlegen, um sie dann zu systematisieren, schaffte die Basis für Produktivität und Automatisierung. Automatisiertes Handeln kann letztendlich die Konsequenz aus Systematisierung mit verlorenem Inhalt bedeuten. Die Notwendigkeit, ein System bzw. eine Methode in Umgang mit Tieren lebendig zu halten bzw. wieder lebendig werden zu lassen, erkennt man z.B. daran, in dem nicht das Tier, sondern der Mensch dabei beobachtet wird, wie er das System anwendet, mit dem Tier umzugehen. Nicht das System selbst, das man anwendet, ist ursprünglich treibender Motor, sondern der Kern des Inhaltes, der in jeder systemischen Handlung zuvor in seiner Unmittelbarkeit entdeckt und erfahren wurde und erst später methodisiert wurde. Die Form der Handlung selbst ist nicht die Vermittlung, der Dialog, die Kommunikation, sondern das „wie“ in dem „was“, das man signalisieren und transportieren möchte. Und dieses „wie“ entspringt dem Chaos der Lebendigkeit des Lebens am ursprünglichen Quell der Authentizität, jenseits von System und Systematisierung. Ist pure Systemlosigkeit, ist pure Strukturlosigkeit, im freien Fall aller Regeln, mit dem Aufprall auf das bodenlose Etwas, das sich Freiheit nennen darf.

3
In der Qualität von Freiheit spielen Raum und Zeit keine Rolle. Würden wir der Freiheit einen Ton, eine Frequenz, eine Farbe, eine Stimmung, ein Gefühl, eine Empfindung, einen Körper, eine Geste, eine Handlung, eine Tat, einen Gedanken geben, was wäre dann möglich, jenseits all unserer Vorstellungen und Einstellungen, an denen wir Tag für Tag festhalten? Was wäre dann in der Interaktion mit unserem tierischen Gegenüber möglich, jenseits unserer Absichten, Pläne und eingefahrenen Methoden und Systemen? Im Bewusstsein der Freiheit spielt Raum keine Rolle, aber sehr wohl spielt Raum für tierische Wesen wie Pferde, mit ihren vielen Sinnen, und in unsere Kultur eingebunden, eine Rolle, z.B. wie dieser Raum als ihr Lebens, – und Alltagsraum gestaltet wird. Die Gestaltung hat bis heute architektonisch und in Ausstattung und Equipement, weiters in unserem geistigen Raum zu Thema Disziplinen und Umgang, besonders bei Pferden, seinen Ursprung im Militär, -und Kriegswesen, ebenfalls wie die Entwicklung und Einrichtung namens „Zirkus“, sowie die hierarchische Struktur von künstlerischen Institutionen der Hochkultur. Kriegerische Handlungen prägten im Überleben von Verteidigung und Expandierung von Raum, Gesellschaftskultur, beeinflusst bis in die Alltagskultur hinein. Einer unserer Wurzeln in Alltagskultur in Umgang mit Tieren liegt in kriegerischer Handlung der Unterwerfung und nicht im Quell von Frieden und Freiheit.

4
Im Bewusstsein der Freiheit spielt Zeit keine Rolle, aber sehr wohl im täglichen Umgang mit lebenskulturell eingebundenen Tieren, welchen Zeitrahmen man ihnen zugesteht, um ihre Persönlichkeit und ihre Entwicklung lernend vollziehen zu können, wenn man ihnen abseits des funktionalen Gebrauchens ihrer, Förderung und Entfaltung zugesteht. In der Produktivität industrialisierter Gesellschaften ist wenig Sinn dafür, noch weniger Raum und noch viel weniger Zeit. Und diese Umstände sind der Motor und prägt soziale Systeme, beeinflusst soziales (Nicht-) Handeln. Viel mehr Raum und viel mehr Zeit für die spürbare Lebendigkeit des Lebens in Umgang mit unserem tierischen Gegenüber ist eine Notwendigkeit, auch für uns selbst, und abseits von Zwang in jeder Handlung, in jeder Tat, die wir setzen, Freiheit mitschwingen lassend, sodass von beiden Seiten Wollen entsteht, jenseits von Müssen. Dieses beiderseitige Wollen ist die Übereinkunft zweier Wesen, am Rande der Klippe der Freiheit stehend, eine Verbindung schaffend, aber nicht müssend. Um sich dann gemeinsam ins Bodenlose zu stürzen, das sich lebendiges Erleben und Erfahrung nennen darf - oder Fliegen. In ungeahnte Höhen, der Freiheit entgegen. Dem Frieden ein Stück näher.

das sich freiheit nennen darf
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part five

Alltagsmomente

2021-04-09 12:06:34

TON - BÖE

Ein sehr lautes Geräusch südöstlich unten beim Haus war zu hören. Es kam einem Knall gleich mit einem gleichzeitigen Knarzen. In Sekundenverzögerung konnte man genau erkennen, dass der Ton einer Druckwelle gleich, verlangsamt von Glory´ s Hinterteil über den Rücken über den Hals hinunter in die Beine sie erschrecken ließ, als würde diese Druckwelle den Weg eine Sekunde lang erst zu Glory zurücklegen müssen, um dann anzukommen. Für sie der Ton einer Windböe gleich, der ihr Fell durchstreift und Glory ihn als Welle eines Energiefeldes wahrnehmend?

kult.ur.tier.mensch

2021-04-08 10:30:25

KINDERSPIELZEUG

Das Fernsehen ist da, für einen kurzer Beitrag, super ist das, die Familie ist ganz aufgeregt, verstehst du - das Fernsehen!!!! Da kann er zeigen, was er kann, da kann er zeigen was er alles drauf hat, der Kleine, mit seinem Freund, dem Pony. Die Kameras sind positioniert, er hat sich in cowboy - Schale geworfen, jetzt kann er zeigen, der kleine Bub, wie er reiten kann, jetzt zeigt er es ihnen, jawoll! Schnell angeritten mit dem Pony, den Arsch immer wieder fest in den Sattel reintrimmern, in den Rücken des Ponies reintrimmern, die Fersen seitlich immer wieder verwegen und mutig und draufgängerisch in die Rippen hinein, ganz fest und schnell hinein in die Rippen des Ponies, ein hektisches Traben in die Kamera hinein, seht nur, wie ich reiten kann und dann noch mehr Schnelligkeit muss her, noch mehr Verwegenheit muss her und die Zügel als Schlaufe geformt, noch links und rechts an den Hals des Ponies geschlagen, ja das ist Kühnheit, das ist Können, ich zeig es ihnen, wie verwegen ich bin, ich zeige es ihnen, während das Pony mit ganz starren Augen und starrem Hals in Richtung Kamera trippelt, die draufgängerische um sich schlagende Bubenlast auf dem Rücken. Das Pony, es versucht sein Bestes zu geben, für seinen Freund das Beste zu geben, auch wenn es nicht genau weiß, warum jetzt da diese Aufgeregtheit, warum jetzt da die Leute alle stehen, die Eltern so grinsen, und so stolz sind auf ihren Buben, was für ein mutiger kleiner Kerl er ist, und erst recht, wie er dann noch auf die Kamera zufährt, mit dem Fahrrad und am Seil sein Pony hinterherziehend, so stolz, was er alles mit seinem Pony machen kann, sein Pony am Halfter mit strengem Zug am Seil, dass es dem Pony den Kopf immer wieder aus den Nacken zieht, die Halfterklammer um seine empfindliche Nase schrammend, und so seinem Freund, dem kleinen Buben folgend, dem Jungen da vorne am Fahrrad, für ihn sein Bestes gebend, auch wenn´s weh tut, immer noch weh tut vom letzten Mal und vom Vorletzten und an das vorvorletzte Mal kann es sich nicht mehr erinnern, beschäftigt mit dem momentanen Weh, für die Kameras, für´s Fernsehen, für die Eltern und dann für die Zuschauer vor dem Fernseher, die sehen, wie mutig und verwegen der kleine Bub schon reiten kann, wie in den alten cowboy – Filmen von damals, von viel früher.

kinderspielzeug
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part four

Liebe Leserinnen und Leser!

2021-04-08 10:23:27

Warum ich vom Möhrchenwald und von der Schrubbelbürste auf social media keine Fotos poste, und warum ich nicht auf einer dieser Plattformen zu finden bin? Nun, ich habe meine Daten, soweit es überhaupt noch möglich ist, gerne in Eigenverantwortung und gerne noch unter Kontrolle. Und dass Daten, so hörte ich, von einer bekannten Plattform 2019 in der Höhe von ca. einer halben Milliarde Usern, möglicherweise die Hälfte des gesamten Kontingents ihrer User) gestohlen und nun ins dark net gestellt wurden, fördert nicht gerade meine Begeisterung dafür. Ich, die doch noch analog aufgewachsen bin, aber gerne an den ursprünglichen Sinn des Internets als verbindendes und kommunikatives Element, abseits der Kriminalität im Netz, glauben möchte. Jedoch lege ich keinen Wert auf Daumen rauf und Daumen runter, auf das Streben nach steigenden Abonnentenzahlen und comicsartige Zeichen - Bild - Sprache wie Herzerln und smilies und Sternderln und was es sonst noch alles gibt als Kommentar. Bitte habt Verständnis, dass ich die schreibende und beschreibende Variante hier im blog vorziehe und somit auch Raum und Freiheit für Fantasie gebe, auf dass durch Euch auch noch viele andere, vielleicht bessere Varianten von Möhrchenwäldern und Schrubbelbürsten dadurch entstehen können. Und „altmodischer“ Weise bin ich immer gerne bereit, Euch per email weitere Auskunft (auch mit Fotos ) zu geben, wenn Interesse besteht.

Alltagsmomente

2021-04-08 10:19:28

MÖHRCHENWALD IM MÄRCHENWALD

Wenn die Ponies Schatten suchen und ihr Mittagsschläfchen machen, dann verweilen sie öfters im Wald voller Möhrchens. Nicht wissend, wann ich sie verteile, finden die Ponies dann zu ihrer Überraschung mitunter diese Leckerlis dort und sie probieren sanft mit ihren Lippen, die Karottenstifte aus den Löchern der hängenden Holzrundlinge herauszuglauben. Spielerisch, mit unterschiedlicher Geschicklichkeit, geht das mal schneller, mal langsamer und besonders Indimoon ist da ganz bei der Sache, um ja möglichst schnell alle Rundlinge abzugehen, bevor die Anderen kommen und sie ihr streitig machen. Für den geeigneten Platz zum Aufhängen bot sich in der Winterkoppel eine Tannengruppe an und dort hängen an den Ästen mehrere von diesen Rundlingen, unser Möhrchenwald. Eine Ganzjahres - Baumdekoration der anderen Art, auch wenn kein Weihnachten vor der Tür steht. Und von der Lage der Tannengruppe her sturmsicher, damit den Ponies die Rundlinge nicht um die Ohren fliegen, weil der Wind sie nicht von den Ästen lösen kann.
Rundlinge mit ca. 10 cm Durchmesser, dünne Stämme vom Jungwald, werden zu 40 cm langen Rundlingen abgeschnitten, oben durchgehend ein kleines Loch gebohrt und zusätzlich am anderen Ende ein 2 cm großes Loch, ebenfalls durch den Rundling ganz durch. Durch das kleine Loch fädel ich eine Schnur zum Aufhängen, und unten im Großen werden von beiden Seiten Möhrchenstifte reingesteckt. Sind die dünnen Baumstämme nicht zu porös, werden auch mehrere Löcher, von allen Seiten, hineingebohrt, oder es bieten sich dafür als Ersatz Holzstaffeln mit den vier Seiten an, wo dann auf unterschiedlichen Höhen die Löcher gefertigt werden.
Der Möhrchenwald. Zur Freude der Ponies einer unserer Selbstbeschäftigungs - Spielinseln auf Ana Tara.

Alltagsmomente

2021-04-08 10:16:26

BEI UNS DA

Es war kühl am Morgen. Der Himmel, etwas grau verhangen, klarte auf, das Blau kam zum Vorschein. Von der Morgensonne wurden die Tannenspitzen beleuchtet, die Tannen, die nahe östlich am Haus sind. Glory stand auf der oberen Ebene der Winterkoppel, wo sich zwei Koppelzäune kreuzen. Sie hat es gerne kuschelig. Und als Leitstute sondert sie sich gerne ab, hat gerne ihr eigenes Terrain, besonders wenn sie ruhen will. Auf der unteren Ebene standen Indimoon und Chilli nebeneinander, parallel, beide den Kopf unter einem Tannenast und dösten ebenfalls. Ruhige, erhabene Stimmung lag über dem ganzen Areal. Diese Stimmung verdichtete sich noch nachmittags, als die Sonne ihren Kreis gezogen hatte und bereit war, hinter den Bergen unter zu gehen. Davor beleuchtete sie noch die Tannen vor meinem Küchenfenster und tauchte den Boden, der ganz weich von der Schneeschmelze geworden war, in einen goldenen Schatten. Kein Wind trübte diese Stille und während ich in der Koppel aufräumte und den Heuvorrat begutachtete, trottete Glory zu mir und beschnüffelte jede einzelne Gerätschaft, die ich mitgebracht hatte, während die anderen beiden sich kraulten. Auch die Wärme, die jetzt untertags diese Ruhe noch unterstützte, trägt dazu bei, dass alles friedlich wirkt, hier auf dem Areal, und die Welt weit, weit draußen und weit weg erscheinen lassen mag, die rastlose Welt, die da draußen, die ein Teil von uns ist. Aber sind wir hier nicht auch Teil dieser Welt, ein Teil von der da draußen, die mehrheitlich auch so anders, so voller Unruhe in Überzahl erscheint, als das da hier, das Sein da, so atmend, so fließend, so friedlich da. Bei uns da.

kult.ur.tier.mensch

2021-04-07 06:58:20

HENGST

Der Hoffnungsträger aller, der Leistungsträger aller, der Stammhalter aller Zuchten. Der, der in der Startbox steht, um im Frühling wieder seiner Arbeit nachzukommen. Für die Stuten. All die Stuten, neue, alte, junge, unbekannte, bekannte, aufdringliche, einfordernde, stille, zurückhaltende, alle auf der Weide, jedes Jahr anders, jedes Jahr neu, die Gruppe, die Herde, seine Herde. Er, der Einzige, er darf, er kann, er will. Er bringt´ s. Auch im Stall, im Stutenstall. Die Stuten sind auch in den Startboxen, bereit zum Aufnehmen. Er sieht sie nur von hinten. Lauter Hinterteile dort. Dort, wo es blitzt, dort darf er. Er hat Stehvermögen. Er ist ein ganzer Kerl, mit Durchsetzungskraft, da auf der Weide, da ist er der geborene Leithengst, wenn da nicht die Leitstute wäre, unter all den Stuten, er arrangiert sich mit ihr, wird ihr gerecht. Und wenn nicht, dann darf er - sich ganz hinten anreihen, hinter allen Stuten, der potente Kerl, der. Decken ja, das Paarungsritual vollziehen, ja, endlich! Und falls er es nicht bringt, und wenn er nicht deckt und wenn er sich sogar wehrt gegen die Stuten, weil er partout nicht will, warum will er eigentlich nicht? Er ist doch ein Hengst! Er hat so viel gekostet! Er hat so einen tollen Stammbaum! Er ist sooo weit gereist! Warum will der nicht, der Kerl? Der G´ standene! Er hat zu funktionieren, er hat zu parieren, er hat zu leisten und abzuliefern. Jedes Jahr, zu jeder Zeit, allzeit bereit für jede Stute, die man ihm vorsetzt, der Goldjunge, der. Der Geldjunge, der. Hä, Hä, der Geldjunge, der, der Weitergereichte, der.
Der, der Stutfohlen zeugen sollte, wegen Hengstüberschuss, versteht sich. Denn die Hengste, die bringt man nie an, wenn sie sich nicht zum Hoffnungsträger entwickeln, wenn er sich nicht zum Leistungsträger entwickelt, wenn er sich nicht zum Stammhalter aller Zuchten entwickelt. Der, der dann nur den Platz wegnimmt, der, der nur Geld kostet und nichts bringt, der, der, die falsche Fellfarbe hat, der, der eine unzureichende Kopfform hat, der, der eine Gelenksfehlstellung hat, der, der eigentlich ein Stutfohlen hätte werden sollen. Der nichtsnutzige Kerl, der. Weg mit eam.

hengst
KULT.UR.TIER.MENSCH
interdisziplinäres kunst text Projekt
work in progress
part three

WENN ES DIE WAHL HAT

2021-04-06 18:33:36

Wenn es die Wahl hat,

dann entscheidet sich ein Tier für Effizienz in seinem Leben,
mit seinen Kräften haushaltend.
Für Versorgung, die Vitalität erzeugt und nicht krank macht.
Für Wohlwollen gegenüber dem Schutzbietenden.

Wenn es die Wahl hat,
für Respekt und Vertrauen für sein Gegenüber, für uns.
Für´ s Überleben.

Wenn es die Wahl hat.

Aber

wenn es die Qual hat,

weil jede kleinste Handlung, die gesetzt wird, Schmerz auslösen kann, weil das Tier es als gewalttätig empfindet, bereits dort, wo unser Tun noch lange nicht von uns selbst als gewalttätig empfunden wird,

wenn es also die Qual hat und

dann aber die Wahl hat,
dann kann es fliehen,
statt den Schmerz solange zu ertragen bis es aufgibt und
still erduldet und damit gefügig geworden ist.

Wenn es die Wahl hat.

Alltagsmomente

2021-04-06 13:07:53

SINNESWANDEL

Eine Baumaschine unserer Nachbarn erzeugte ein so großes tiefes und voluminöses Brummen, immer in Wellen anschwellend und abnehmend, dass ich an einem bestimmten Punkt in der Koppel, wenn ich dort stehen blieb, die Druckwelle spürte, auf meiner Haut, durch die Kleidung hindurch. Verließ ich diesen Punkt, wurde es ein Ton, dessen Druckwelle überall sonst hin in die Koppel streute, und der uns alle an den Rand des Verkraftbaren brachte. Den ganzen Tag lang, bis in den Abend hinein, dröhnte und vibrierte alles auf dem Areal. Glory ging hin und her, legte sich hin, suchte Schutz im Dunkel des Offenstalles, scharte im Dunkel mit den Hufen, legte sich wieder unters Vordach bis sie dort blieb. Und sie lag und sie lag und sie lag. Ich informierte mich bei den Nachbarn, wie lange die Maschine noch in Betrieb sei, ich informierte die Tierärztin, kontrollierte die Schleimhäute, Atemfrequenz, Fiebermessen noch dazu. Glory stand so neben sich, dass sie alles mit sich geschehen ließ. Ich führte sie herum, zur Kolik-Vermeidung, blieb bei ihr. Und dann, am späten Abend in Dunkelheit ohne Mond konnte sie in Stille, endlich Stille, ruhen. Während ich in der Nacht wach blieb und dann einen Kontrollgang in die Koppel machte, war ich froh, sie stehen zu sehen und fressend. Sie stand und fraß Heu, auch am Morgen stand sie da und war wieder ganz die Alte. Ihre Sinne wieder beisammen. Wie viele Sinne sie auch haben mögen, die Ponies, jedenfalls mehr als wir Menschen. Oder haben wir unsere Sinne nur noch nicht alle entwickelt bzw. vielleicht bereits viele davon verkümmern lassen?

kult.ur.tier.mensch

2021-04-06 13:04:54

ZUORDNEN EINORDNEN UNTERORDNEN?

Die männlichen und die weiblichen Tiere wurden einander zugeordnet. Die Nachkommen, die tollen, die mit der richtigen Fellfarbe, die man behält, wurden eingeordnet. Die Tiere, die anderen, die man verkaufte, haben sich den neuen Besitzern inzwischen untergeordnet?
Die Tiere, die schönen, die man kaufen möchte, sind den Zuchtzielen zugeordnet. Die Jungtiere, die sehnlichst erwarteten, die neu angekommen sind, haben sich inzwischen eingeordnet? Die Weiblichen, die müden, haben sich zur neuerlichen Bedeckung dem VermehrerInnen-Willen untergeordnet.
Die Männlichen, die ausgebrannten, werden der Aussonderung zugeordnet. Die Tiere, die jungen, die komplizierten, werden als untauglich eingeordnet? Die Jungen, die nicht perfekten, werden unter Lobpreisungen der Kategorie „für LiebhaberInnen“ untergeordnet? Die Jungen, die nicht perfekten, die nicht verkauften, werden unter Lobpreisungen in die Kategorie „für ZüchterInnen“ zugeordnet? Die weiblichen Tiere, die weniger fruchtbaren, haben sich medizinisch in die Zuchtziele einzuordnen oder werden gutgläubigen Nach-Besitzern untergeordnet?
Die wertvollen Tiere, die reisetraurigen, werden dem Transporter wieder einmal zugeordnet. Diese Besonderen werden für tagelange Aufenthalte in Reise - Boxen eingeordnet. Diese Preisgekrönten haben sich den Regeln der Transportfirmen unterzuordnen.
Diese Tiere, die gerade ankamen aber, diese Tiere leider, leider nicht den Erwartungen entsprechend, werden von enttäuschten NeubesitzerInnen bald anderen zukünftigen Besitzern zugeordnet. Sind dann nun alle Tiere in die stets wechselnden BesitzerInnen,- und Gestüts – Gepflogenheiten eingeordnet und untergeordnet?

Und wenn nicht?

Die Tiere, mit denen man nicht zurande kommt, werden dem Schlachter zugeordnet?
Die Tiere, die nicht gebraucht werden, werden für den Schlachter eingeordnet?
Die Tiere, die keiner mehr will, werden dem Schlachter untergeordnet?

Haben sich möglicherweise menschliche Beteiligte lange schon kollektiv diesen kultur-gesellschaftlichen Spielregeln still und leise untergeordnet?

zuordnen einordnen unterordnen
KULT.UR.TIER.MENSCH
interdisziplinäres kunst text projekt
work in progress
part two

AUS DEM TRAUM ERWACHT

2021-04-06 13:02:52

Da steht sie nun auf der Weide. Den Kopf leicht gesenkt, steht sie da, teilnahmslos vor sich hindösend. Übern Winter hat sie massiv an Gewicht verloren, sie steht da und nichts hilft. Ja, auch der Tierarzt war da. Sie wird sterben, meint er. Er kann nichts mehr für sie tun, meint er. Sie steht da auf der Weide, ihr helles Fell ganz matt, teilnahmslos, und die anderen Ponies weit weg auf der Weide, grasend und sie hier ganz alleine, steht sie da. Dieses Stütlein da, dieses stille, der Körper ist da, mit seiner Seele aber weit weg. Dorthin gereist, wo die Weite der Hügel unendlich erscheint. Dort, wo die Briese des Meeres sanft immer wieder herüberweht. Das Stütlein träumt. Auch wenn es nicht träumen will, ihre Seele träumt. Sterben? Auch wenn es nicht sterben will, es kann sich nicht wehren, seine Seele ist weit weg und träumt. Von der Mutterstute dort am Meer, die dort auch träumt, von einer besseren Wiese dort, von einer anderen Wiese dort, von einer Wiese ohne Vergangenheit. Vergangenheit des vergossenen Blutes, Blutboden, Kriegsboden, Jahrhunderte lang. Und das Gestüt, aufgebaut auf Blutboden, Kriegsboden, mit so viel Vergangenheit, so viel Trauer, so viel Schmerz, so viel Tod auf diesem Boden dort. Und das Gras, das dort wächst, ist voller Erinnerung daran. Die Mutterstute, die dort grast, nimmt diese Erinnerung in sich auf und sie wird krank. Sie ruft ihre Tochter, die nun auf dem Festland ist, sie ruft sie und ihre Tochter, sie hörte ihre Mutter, sie reiste mit ihrer Seele zu ihr, zu den vertrauten Blutböden, und jetzt - findet sie nicht mehr zurück.
Und da steht nun der mutlose, teilnahmslose Körper des Stütleins, hier auf der Weide auf dem Festland, und döst mit ihrem hohlen Körper in ihrem Traum. Teilnahmslos am hiesigen Leben. Tag aus Tag ein. Kann das sein? Ein Geräusch. Was für ein Geruch. Die Ohren bewegen sich kaum, aber sie hört. Da ist Jemand, eine weibliche Stimme, sie spricht sie an, das Stütlein kann nicht reagieren, es ist gefangen im Traum. Diese Stimme kommt immer näher und da ist eine warme Hand auf ihrem Fell, seitlich da, es spürt die Hand kaum, kaum erwachend aus ihrem Traum. Und dann entfernt sich diese Stimme wieder. Und das Stütlein träumt weiter, aber dort in den Weiten beim Meer bei ihrer Mutter, dort auf der Wiese beim Meer plötzlich Schatten, bunte, helle, färbige Schatten, sie wirbeln herum, sie tanzen, rauf und runter und überall hin, überall auf die Wiesen, zum Gestüt, zu ihrer Mutter, sie fegen über die Weiden dort am Meer und Helligkeit breitet sich überall aus, ihre Mutter wiehert freudig, der Blutboden wird nährender Grasboden, kann es ein, wird alles wieder gut? Und die Nüstern des Stütleins beben, Seele zurückkehrend und darf hier bleiben, in seinem Körper, wo das Leben langsam wieder erwacht. Hie und da, da zuckt das Stütlein, ihre Sinne erwachen, ihr Traum flieht, und sie, wieder ganz da auf der Weide, nimmt das Gras wahr und die anderen Ponies. Willkommen, wieder da, im Hier und Jetzt, da wo es gut ist, hier auf dem Festland. Und Boden dort, in der Weite der Gräser mit Briese des Meeres, dort gereinigte Erde für die Pf * erde.

kult.ur.tier.mensch

2021-04-06 08:06:58

EINHORN DER MODERNE

Was macht die Faszination aus, was ist die Motivation Mini-Shetland-Ponies zu halten? Und welche Besonderheiten haben Minis, dass diese Faszination dann noch verstärkt wird? Was macht das Faszinosum „Mini“ aus, dass Menschen von Suchtpotential sprechen, sich immer mehr Ponies bis zur endgültigen Überforderung anschaffen und eine Mystifizierung stattfindet, dass sie mit Einhörnern verglichen werden und als märchenhafte Projektionsflächen angehimmelt werden? Welche gestalterische Bedeutung kommt dabei den ehrgeizigen ZüchterInnen zu, wenn sie schöpferisch in die Natur eingreifen und nach ihren Vorstellungen Mini-Shetlandpony – Leben hervorbringen wollen? Wenn all die eifrigen VermehrerInnen korrekte, langlebige, robuste und obendrein charakterlich menschen, – und kindergerechte Mini-Shetland-Ponies züchten wollen, um dann einen Teil davon als „nicht ganz für die Zucht geeignetes Ponymaterial“ in Händlermanier auf den Markt und damit in die Welt zu entlassen, in Obhut bzw. in die Fänge eifriger Käufer & Käuferinnen, die gierig die Hände nach diesen kleinen Geschöpfen ausstrecken und bereit sind, eine Menge Geld für die Glückseeligkeit so eines „Engels“ auf vier kleinen Hufen auszugeben? Und Pony- KonsumentInnen in social media vor lauter Begeisterung gar nicht mehr in der Lage sind, ihre Gefühle in Worte zu fassen, sondern sich in endlosen Aneinanderreihungen von roten Herzerln Luft machen? Aufseufzend, das Objekt der Begierde endlich erworben zu haben, um es sich dann enthusiastisch als Zuchtpony zweiter Wahl als Show-, Kinder-, Fahr- oder Therapiepony und Schmusepony für kurze Zeit vorübergehend nutzbarzu machen, bis es dann weitergereicht wird?
Was macht die Faszination aus?
Weil diese Ponies mit ihrem Winterfell wie Fabelwesen aus einer anderen Zeit wirken und eine Aura des Geheimnisvollen um sich verbreiten? Und weil ihnen nachgesagt wird, dass sie Glückshormone ausschütten, wenn man sich in ihrer Nähe befindet? Was ist das Geheimnis ihrer Anziehung über ihrer Kleinheit hinaus? Sind es die großen runden Kulleraugen, die auch in der westlichen Kultur Gefühle der Zuneigung und den Drang des Beschützens in uns auslösen? Oder ist es gerade ihre Kleinheit, besonders der Fohlen, die sie so reizvoll erscheinen lassen und nicht nur Kleinstkindern zum Schmusen als lebendiges Spielzeug in die Arme gelegt werden?
Was ist es in ihrem Wesen und in ihrer Erscheinung, das in Menschen fieberhafte leidenschaftliche Gefühle auslöst und sich potentielle Käufer, mehrheitlich Frauen, in Pony-Shopping-Hysterie überschlagen, um ein ganz bestimmtes prachtvolles, ach so süßes Mini-Pony zu erwerben? Und welche Rolle spielt wiederum die Vermehrer-Community Attribute wie sanftes Temperament, besondere Kleinheit, außergewöhnliche Fellfarben, je nach Modeströmung, züchterisch hervorzuheben?
Die Zucht ist das Fundament für den Pony-Markt, denn Minishettys gibt es nicht als Wildherden bzw. verwilderte Herden, aus der man einzelne Tiere einfängt und dann für sich als Mensch nutzbar machen möchte, sondern werden ausschließlich durch Züchtung in die gesellschaftliche Lebenskultur eingebracht. Die Maschinerie zur Produktion des Kinder-Freizeitkultur-Schmusetieres „Mini-Shetland-Pony“ läuft wie geschmiert, vorhersehbar mehr als der Markt vermutlich zukünftig vertragen kann, mehr als Ponies mitunter aushalten können. Was motiviert immer mehr Menschen, den zeit, – und arbeitssamen und mitunter finanziell sehr hohen Aufwand zu investieren? Um letztendlich Rückenschmerzen und Knieschmerzen in Kauf zu nehmen? Denn sind nicht Mini-Ponies die einzigen Pferde, die es schaffen, dass man ununterbrochen vor ihnen auf die Knie geht?
Ausschließlich begeistertes „In - die Knie - gehen“ und ständiges Vorbeugen und damit königliches Sich-Verbeugen vor Mini-Ponies alleine kann nicht genügen. Die menschlichen Herausforderungen zum Wohle dieser „Einhörner der Moderne“ sind vielfältigst. Dem oft nicht entsprechend und das oft nicht bewältigend, erzeugt kuriose Abstrusitäten und Unartigkeiten anstatt Artgerechtigkeiten zum Wohle der „Engel“ auf kleinen Huferln, treiben seltsame gesellschaftliche Stilblüten der Ko-Existenz Pony-Mensch.
Da drängt sich die Frage auf: was ist bitte schön mit Qualitätskriterien für menschliche VermehrerInnen? Werden sie selbst den angestrebten Standards gerecht, die sie als Maßstab an ihren eigenen Ponies anlegen? Oder bestünde möglicherweise die Notwendigkeit, die Pony-HalterInnen selbst mit folgenden Qualitätskriterien auszustatten: liebevoller aufrechter Charakter, ausgestattet mit einem Verantwortungsbewusstseinsgen, weiters von Blutlinien stammend, die für Umsichtigkeit, Klugheit sowie Geduld stehen. Zukünftig diese VermehrerInnen mit Informationswillen sowie Kommunikationsfreudigkeit und Lernbereitschaft als Temperamentsmerkmale versehend und mit regelmäßigen Impfungen für soziale Kompetenz und ethisches Handeln versorgend, die ebenfalls Körungskriterien für Männer und Frauen sein könnten, um 100 %ige Qualität garantieren zu können? Betraut mit dem Fundament an Finanzkraft gepaart mit der Bereitschaft zur Sorgfaltspflicht und dem nötigen Überblick für Angebot und Nachfrage und damit dem „Pony- Überschuss“ letztendlich den Gang zum Schlachthof ersparend?
Ob die Papiere unserer eigenen Spezies, die nach genauer und gewissenhafter Beurteilung ausgestellt werden, ob diese Papiere das Exterieur der Menschen beinhalten soll, wäre noch zu diskutieren. Oder? Oder wie gefällt die Idee, dass vor den Augen einer fachkundigen Jury, zusammengestellt aus einer erlesenen Auswahl an erfahrenen Mini-Ponies, dass all die menschlichen männlichen und weiblichen VermehrerInnen auf einem sportlichen Laufband präsentiert werden, und dass diese Pony-Jury menschliches Äußeres wie schütteres Haar, glanzlose kleine Augen, kurzer Hals, große Ohren, flache Brüste, schmale Hüftbecken, krumme Beine, eingefallene Schultern, fahle Haut, geschmackloser Kleidungsstil, beurteilt und bewertet? Noch dazu mit besonderer Aufmerksamkeit auf die drei Grundgangarten: schlurfiges Gehen mit rundem Rücken, leichtes nervöses links und rechts - Trippeln, o – beiniges schwankendes Laufen mit Kurzatmigkeit? Wie gefällt diese Idee?
Und was würde mit der Spezies Mensch, der der Beurteilung durch die Pony-Jury nicht gerecht wird und zur Körung nicht zugelassen wird, passieren? Nein, unsere Spezies würde nicht möglicherweise in Kleinstboxen dahinvegetierend, Gefängnissen gleich, untergebracht werden. Es liegt die Vermutung nahe, dass die Pony-Jury, alles, auch jenes „Menschenmaterial“, das nicht 100 % der Qualität entspricht, vermutlich in die Wildnis entlassen würde und damit uns selbst. Ob das allerdings ein Segen wäre, ist zu bezweifeln. Oder glauben Sie, in der Wildnis noch überleben zu können?

einhorn der moderne
KULT.UR.TIER.MENSCH
interdisziplinären kunst text projekt
work in progress
part one

Text A.B., © Astrid Bayer, all rights reserved

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