DIE GESTALTUNG DES AREALS

Hier auf an tara wurde gemeinsam mit unseren Ponies die Anlage entwickelt, wobei weniger von einer für den Menschen praktikablen Nützlichkeit zum handling der Ponies ausgegangen wurde, sondern viel mehr durch Anpassung und Eingehen auf ihre Bedürfnisse zum Wohle der Ponies, wurden entsprechende Einrichtungen geschaffen, neben der allgemeinen Grundadaptierung für robuste Ganzjahres-Haltung im Freien, wobei die Beschaffenheit der Areal-Landschaft bei der Gestaltung, sowie die Witterung und das Wetter maßgeblich in der Gestaltung eine Rolle spielten.

Durch Beobachtung der Ponies, wo sie sich wann wie aufhalten und verhalten, wurden entsprechend die Plätze so eingerichtet, dass sie umfassend einen Lebens-, Erlebens- und Erfahrungsraum für sich als Herde haben, nicht nur zum Wohle der Herde, sondern auch zu ihrer Lebensfreude in Naturlandschaft von Wald, Wiesen und Bergen.

Hierbei wurde auch darauf geachtet, dass einerseits der Lebensraum in der Natur, in die Wildnis hinein und in den Lebensraum des Wald,-und Wiesenareals der Ponies fließend ist, als auch zu uns Menschen und unseren Gartenbereich . Die Ponies haben so die Möglichkeit auch uns in unserem energetischen, körpersprachlichen und sozialen Verhalten zu beobachten und daran teilzuhaben, wenn sie möchten. Die Grenzen der Lebensräume im Freien verschwimmen.

Es ist der Versuch, den Lebensraum zu Tieren, auch zu Wildtieren so zu definieren, dass möglichst viel Zeit und Raum der gegenseitigen Erfahrung miteinander möglich ist. Es ist auch ein Projekt, dass den Gedanken konsequent weiter verfolgt, bauliche standards für uns zu definieren, die abseits allgemeiner bisherigen kulturellen Entwicklung von Gestüts-Architektur üblich sind. Ana tara jenseits von traditionellen Standards zu definieren.

Kritisch interpretiert werden von mir die herkömmlichen Standards, durch ihre Wurzeln der landwirtschaftlich Raumarchitektur bzw. durch ihre Wurzeln der Geschichte des Kriegswesens geprägt. Diese herkömmlichen Standards nehmen wir als Ausdruck einer Grundhaltung der Praktikabilität von Benutzbarkeit wahr, um Tiere, Pferde, Ponies ausschließlich als Gebrauchstiere für die jeweiligen konsumorientierten menschlichen Interessen zu halten und sich traditionsgemäß Tiere als lebendige Objekte nutzbar zu machen, entwürdigend und respektlos Vermehrung, Leistung, Freizeit-Entertainment, Ökonomie und Rentabilität im Vordergrund stehend.

Eine Grundhaltung und Einstellung von der wir uns herzlichst distanzieren, hier auf ana tara.

UMGANG MIT DEN PONIES

Mit dem Hintergrund der Arealgestaltung durch und für die Ponies entwickelt, wird auch der Gedanke des Miteinanders konsequent weiter gedacht, was es bedeuten kann, mit den Ponies, sie respektierend in ihrer Art und in ihrem Wesen, zu leben; was es bedeuten kann mit ihnen in Dialog zu treten und damit aktiv mit ihnen Zeit zu gestalten. Und wenn wir dabei auch ganz konsequent die Absicht weiterverfolgen, dass ausschließlich friedliche und schmerzfreie Prozesse mit Pferden, mit den Ponies erfahrbar gemacht werden, dann bedeutet das auch für uns persönlich in letzter Konsequenz in der Umsetzung jegliche historische Gebrauchs, – und Verhaltenskultur von Mensch und Pferd mit all seinen traditionellen Gebrauchs-Hilfsmitteln, samt historischer traditioneller Einstellung im Umgang und Ausführung bleiben zu lassen. Dies gilt auch für moderne Methoden, die noch immer die traditionellen Ursprünge der Unterwerfung im Umgang und Equipement als Grundlage haben.

Wir haben für uns persönlich entschieden, den friedlichen in Freiheit gehenden Weg kompromisslos und konsequent umzusetzen und lebendig zu gestalten und mit den tierischen GefährtInnen gemeinsam erlebend den Weg zu gehen, um herauszufinden wie weit der Dialog uns noch führen wird, und was daraus alles gemeinsam mit den Ponies noch entstehen kann .

Mit der friedlichen Grundeinstellung des Herzens also nun WAS tun und WIE handeln?

IM DIALOG DES ALLTAGS

Achtsamkeit, Vorsicht, Umsicht, Einsicht, auch uns selbst gegenüber, schafft immer wieder Aussicht auf Erfolg, in Dialog miteinander den Alltag gemeinsam in Einverständnis zu gestalten. Ob Koppelreinigungen, Körperpflege, Wechsel von einer Weide zur Anderen und sonstigen Gestütstätigkeiten, werden durch sanfte ruhige konsequente Führungsschaft und dabei Wahrnehmen und Lesen der Ponies und durch die Kommunikation zwischen uns, der Alltag frei, ohne Zwang, umgesetzt. Oft werden Kleinigkeiten im Alltag verändert, die die Ponies mit einer Selbstverständlichkeit annehmen und sobald sie es angenommen haben und es sich gefestigt hat, wenden sie sich der nächsten neuen Kleinigkeit zu, die sie neugierig und wachsam hält und die Ponies sich so spielerisch unmittelbare Erfahrung aneignen, ohne Training, abwechslungsreich, mit immer wieder neuen kleinen Herausforderungen. So eignen sich die Ponies nach und nach einen Grundstock an Fähigkeiten an, die den Umgang im Alltag achtsam und stressfrei ermöglichen. Mit dieser Stimmung und Atmosphäre auf ana tara wird selbst der Gestüts-Alltag mit ihnen zu einer erlebten gemeinschaftlichen Beschäftigung, Tag für Tag. Mittlerweile mitunter auch so, dass durch einen Gedanken von mir, ohne sonstigem Zutun und in räumlicher Abwesenheit von mir, die Ponies unmittelbar das ganz konkret und sichtbar ausführen, was meinem Gedanken zugrunde lag. Umgekehrt, von ihnen zu mir ein Impuls kommend, gedanklich oder spürend oder als Bild und ich dann darauf reagierend, war ab unserem ersten Moment des gemeinsamen Lebens hier auf ana tara einer der Grundlagen.

Eingewöhnungsphasen der Ponies, Lern,- und Entwicklungs-Prozesse unsererseits und immer die Kraft aufzubringen dran zu bleiben, nahm mehrere Jahre in Anspruch, zumal meine tierischen Gefährten früher weder viel menschlichen Kontakt kannten, noch, dass man mit ihnen kommunizierte. Sie lebten früher in großen Herden unter sich als Zuchttiere und waren die meiste Zeit sich selbst in ihren wechselnden Herden-Gemeinschaften überlassen, kultivierte Wildherden auf riesigen Koppelweiden, zuchtüblich ein stetiges Kommen und Gehen von Neuankömmlingen und Verabschiedenden. Die dort im Heranwachsen entstandenen Entwicklungslücken meiner, nach dem Herzen ausgesuchten Ponies, in der Basis zur Bereitschaft, sich dem Menschen in allgemeinen Situationen anzuvertrauen, offenbarten sich erst allmählich, wobei zusätzlich es den Anschein hatte, dass das allgemeine handling dort auf dem Zuchtgestüt auf ein Minimum reduziert, schnell und funktional und sich über die Ponies hinwegsetzend, durchgeführt wurde, und wir dadurch im Alltag bei ihrem Ankommen so gut wie bei Null begannen, wobei wir jedoch auch das Ursprüngliche ihrer Art, dass sich unsere Ponies bis heute erhalten haben und auch dürfen, schätzen.

IM DIALOG DER STILLE

Überall dort auf ana tara, wo das Ruhen und Sein und miteinander Schwingen einen besonderen Ort des tiefen Friedens schafft und schon fast paradiesisch anmutet, wenn man das volle Ausmaß von Harmonie in Raum und Zeit mit dem Herzen und dem ganzen Körper spüren kann. Besonders sanft und friedvoll, für sehr empfängliche und sensible Gemüter, ist die Zeit beim gemeinsamen Dösen, wenn sich die Energien vermischen und die Ruheschwingung der Ponies spürbar wird. Ein Zustand, aus dem man gar nicht mehr heraus möchte. Aber zum Wohle der tierischen Gefährten bereite ich mich mental vor, reinige ich mich auch vorher energetisch, bzw. auch nachher, und ich löse mich energetisch sehr bewusst dann wieder von ihnen. Sollte ich bei den Ponies Ungleichgewichter bemerkt haben, reinige ich sie ebenfalls anschließend. Und damit wären wir auf einer weiteren Ebene des Dialogs....

IM DIALOG DER HEILUNG

Hier begegne ich den tierischen Gefährten in meiner als auch in ihrer puren Essenz der seelischen als auch zwischenkörperlichen Erscheinung. Der Dialog mit dem tierischen Gefährten, der elementar und jenseits aller Vorstellungen Situationen an den Wurzeln packt, hat ein umfassendes Ziel: Ursache und Wirkung von Störungen ausfindig zu machen und das Gleichgewicht wieder herzustellen, um kraftvoll und lebendig das Leben leben zu können, das dem tierischen Gefährten entspricht, das es sich wünscht, das es als seine Aufgabe sieht. Dieser Dialog hat auch Auswirkungen bis in die irdische körperliche Gesundheit bzw. Krankheit hinein und ist in Zusammenarbeit mit den BesitzerInnen der tierischen Gefährten und veterinärmedizinischer Kooperation mit Tierärzten eine Bereicherung aller, die den Weg des Mitgefühls gehen wollen.

IM DIALOG DES SPIELENS

Ich versuche all mein Wissen und konkrete Erfahrung, dass durch Jahrzehnte langem energetisch-körperlichen Tuns in meinem ganzen Organismus gespeichert ist als Impuls und in Einklang mit tierischem Verhalten zu bringen, um interaktiv einen spielerischen Dialog zu ermöglichen und dabei gemeinsam Spaß zu haben, jenseits des üblichen allgemeinen Interagierens als Anweisungsgebenden als Mensch und dem Pony als Anweisungsausführenden.

Ist einmal eine Beziehung hergestellt, so wie das bei mir und meinen Ponies der Fall ist, kommt es vor, dass ungeplanter Weise Spiele passieren, d.h. die Ponies nehmen aus freiem Willen Kontakt zu mir auf. Kommt es zu so einer Situation, sind es auch die Ponies, die mitunter die Impulse setzen und ich steige dann darauf ein, wenn ich es rechtzeitig erkenne. Diese spontanen Impuls-Spiele können Berührungs-Kraulspiele sein, räumliche Körper-Positionierungsspiele unter Anwesenheit von verschiedenster aus der Natur bezogene Elemente bis hin zu Fangerl, – und Versteckspiele im oberen Wäldchen der Sommerweiden.

Schwieriger ist es, eine wirklich authentische freie Spielsituation von meiner Seite aus so zu schaffen, dass die Ponies es als attraktiv erachten, in einem Spielfluss zu bleiben, ihnen also laufend etwas als Bezug anzubieten. Mitunter bin ich nicht schnell genug, achtsam genug, die passenden Impulse einzubringen, das Pony zu lesen, dann reißt der flow, das Feld, der Rhythmus fällt dann in sich zusammen, den wir gemeinsam aufgebaut haben. Nur über meine Person selbst, ohne Hilfsmittel von Equipement und Objekten, immer wieder herauszufinden, welche Haltungen und Bewegungen, Laute, Gesten und andere Signale durch Zeit und Raum sie in authentische Spiellaune bringt und die Ponies in ihrem vielfältigen Spektrum zum eigenständigen Sich-Einbringen, Handeln und Sich-Ausdrücken motiviert, die Herausforderung.

Dafür ziehe ich verschiedenste Bezugspunkte heran und schaffe unterschiedlichsten Kontext, um dann mit ihnen in Bewegung gemeinsam spielerisch durch den Raum einander zu erleben, und beobachtend, wie sie mich während dessen lesen und reagieren, wie sich das dann bei ihnen ausdrückt und sie darauf ihrerseits mit Impulsen einsteigen, sodass es zu einem interaktiven Handlungs, – und Bewegungsfluss zwischen ihnen und mir kommt. Ich agiere stark aus meiner Intuition und aus meinem Instinkt heraus, sowie mit höchster Aufmerksamkeit all meiner Sinne und energetischer Prozesse, lasse es passieren, ganz im Hier und Jetzt mit höchster Wachsamkeit aller Sensoren, währenddessen ich ständig gleichzeitig das Pony, mich selbst, Bezugspunkte, Absicht, Kontext, Umraum, Energie, Timing, agierend und reagierend beobachte.

Ein körperliches Bewegungs-Spielen, aus dem Momentum heraus, improvisierend, wo beide Partner unterschiedlicher Spezies sich gleichermaßen einbringen und abwechselnd Impulse setzen, ohne Lernen, ohne Üben, ohne Wiederholung. Jedes Mal ungeplant, unvorhersehbar, neu, jedes Mal anders, jedes Mal frisch und spontan, keine klassischen Arbeits- und Trainings-Bewegungsmuster einbindend, ohne hierarchischer Struktur der Weisungs-Gebundenheit, ohne jeglicher Ansätze der Dressur, ohne in sie laufend Leckerlis hineinzustopfen. Alles geschieht auf freiwilliger Basis, und wenn es an einem Tag passiert, wunderbar, wenn es an einem anderen Tag nicht passt, für mich, für die Ponies, auch gut.

Im unsichtbaren Spürbaren der Zwischenräume des Bewusstseins finden dann kurze Momente des echten Dialogs statt und sind von unsagbarer Kraft und Schönheit, wenn man einmal diese Übereinstimmung mit einem Pferd erlangt, auch wenn nur für ganz kurze Momente, ist es trotzdem immer sehr erfüllend. Den schöpferischen Quell des Ausdrucks nützend, auf allen Ebenen, bildet die Schnittstelle zu meiner früheren Berufung als Tanzkunst-Schaffende sowie der heilerischen Bildung und Erfahrung, neben der friedlichen Grundeinstellung.

Und als spirituelle Hüterin be-hütend und behutsam sein statt be – herr – schend, der Herzensweg , den Spuren der Pferde folgend.

Text A.B., © Astrid Bayer, all rights reserved